Die Weisung des Bundesamts für Strassen (Astra) ist seit drei Jahren in Kraft. Sie regelt mit bürokratischer Genauigkeit, an welchen Orten entlang den Autobahnen etwa auf touristische Attraktionen hingewiesen werden darf. Und sie besagt, bis Mitte 2017 seien grafische Mindestanforderungen zu erfüllen oder bestehende Schilder abzumontieren.

Das alte Autobahnschild, das auf «Augusta Raurica» verweist, erfüllt die neuen Normen nicht. Diese Woche hat Baselland deshalb einen Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben, um seine touristische Signalisation zu erneuern. Den Takt gibt zwar der Bund mit seinen Vorschriften für die Autobahnbeschilderung vor, doch im gleichen Aufwisch will der Kanton möglichst alle touristischen Schilder auf seinen Strassen vereinheitlichen. Und damit wird die Axt an den bekannten Kirschbaum gelegt, der an zahlreichen Orten mit dem Schild ein «Willkommen im Baselbiet» verspricht.

Die grafische Verschmelzung von Baselbieter Stab und Obstbaum wurde erstmals am 17. März 1983 im Beisein der gesamten Baselbieter Regierung in Langenbruck eingepflanzt. Die Schilder waren ein identitätsstiftendes Projekt der Arbeitsgruppe «Kantonsjubiläum» und sollten an allen Haupt- und Einfallsstrassen aufgestellt werden.

Nach dem Nein von Baselland gegen eine Kantonsfusion hat nun auch die Neubeschilderung eine identitätsstiftende Aufladung erhalten. Eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern der Volkswirtschafts-Direktion und der Baudirektion unter Beizug von Baselland Tourismus, einer Gründung der Wirtschaftskammer, entwickelte dazu drei «Konzept-Botschaften». Nebst einem allgemeinen «Seien Sie willkommen» und der Behauptung «Baselland ist ein attraktiver Lebensraum mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten» lautet die dritte Botschaft denn auch: «Baselland ist eine Gebietschaft mit einem profilierten Selbstverständnis».

Bis am 12. Juni können Grafiker erste Entwürfe eingeben, wie sie den Landkanton optisch am Strassenrand präsentieren würden. Im November soll der Sieger des Wettbewerbs feststehen. Tobias Eggimann, Leiter von Baselland Tourismus, hofft auf einen breiten Mitmacheffekt. Idealerweise werde sich eine Debatte entfachen, mit welchen Bildern der Kanton am besten repräsentiert werde.

Dass das Unterfangen nicht ganz einfach wird, weiss Eggimann aus eigener Erfahrung. Seine Organisation hatte die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung gesucht, um einen neuen Auftritt zu finden. Studierende schwärmten aus und entwarfen Plakate, die ein neues Kantonsimage transportieren sollten. So richtig überzeugend fiel die Übung nicht aus. Statt sich aus dem erarbeiteten Fundus zu bedienen, liess sich die Tourismusorganisation von einem Grafiker ein neues Logo zeichnen.

Der grafische Spielraum für die neuen Schilder ist zudem bescheiden. Zum einen gilt die Weisung des Astra, die für ein Drittel der Fläche einen durchgängigen Braunton verlangt. Zum anderen heisst die vorgeschriebene Grussbotschaft zwar nicht mehr «Willkommen im Baselbiet», dafür nun «Willkommen in Baselland». Und schliesslich sollte weiterhin der Baselbieterstab «als national bekanntes heraldisches Zeichen» zu sehen sein.

Die Werbewirksamkeit von Strassenschildern ist unbestritten. Schliesslich, so argumentierte der Schweizer Tourismus-Verband in der Vernehmlassung, würden zwei Drittel aller touristischen Reisen mit dem Auto zurückgelegt. Für den Gast sei es wichtig, sich an wichtigen touristischen Zielen und Regionen orientieren zu können. Die politischen Grenzen seien für den Gast wenig bedeutend, sagte der Verband. Dafür jedoch für den Heimatverbundenen, der künftig erfahren soll, wenn er in sein Baselbiet einfährt oder es wieder verlässt.

Ob der gesamte Schilderwald aber tatsächlich gerodet und von Grund auf neu aufgeforstet wird, ist noch nicht beschlossen. Denn dafür müsste die Baselbieter Regierung zuerst die finanziellen Mittel sprechen.

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