Medizinisch gesprochen droht dem Kantonsspital Baselland (KSBL) ein Multiorganversagen. Es ist geschwächt durch zahlreiche Abgänge von ärztlichem Spitzenpersonal. Das Personal leidet an akutem Orientierungsverlust. Und die Vakanzen sowohl im Direktorium wie im Verwaltungsrat tragen zu einer allgemeinen Immunschwäche bei. Und nun zeigt sich ein neues Krankheitsbild: Nach internen Informationen hat das Kantonsspital Bruderholz im vergangenen Jahr 24 Millionen Franken Verlust geschrieben.

Die Angabe ist doppelt inoffiziell: Schon vor der Fusion zum Kantonsspital Baselland haben die drei Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen keine Einzelergebnisse publiziert. Zum anderen liegt die konsolidierte Schlussabrechnung für das Jahr 2013 noch nicht vor. Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) hat allerdings bereits anlässlich der Entlassung des Direktors Heinz Schneider erklärt, der Baselbieter Spitalkonzern schliesse um rund eine Million Franken besser ab als im Vorjahr. Im Jahr 2012 resultiert ein Jahresgewinn von 1,5 Millionen Franken. Vor seiner Absetzung hatte Schneider bereits erklärt, das Spital Laufen werde eine rote Null schreiben. Zusammengefasst bedeutet dies, dass im Spital Liestal ein Überschuss von an die dreissig Millionen Franken erwirtschaftet worden ist. Sprecherin Christine Frey erklärt auf Anfrage: «Das KSBL ist im Endspurt mit der Erstellung des Geschäftsberichtes. Bis zur Fertigstellung werden keine Zahlen bekannt gegeben.»

Jürg Aebi, der Direktor ad interim, mag sich von den Widrigkeiten nicht bremsen lassen. Er hat nicht nur seine Ambition bekräftigt, das Amt definitiv übernehmen zu wollen. Er ist auch entschlossen, beim Bruderholzspital die Bagger auffahren zu lassen, um mit dem Bau der neuen Frauenklinik und der Erdbebenertüchtigung zu beginnen. Und dies trotz der angekündigten Strategieüberprüfung durch den Kanton Baselland, dem Eigner des Spitals.

Aebi sieht sich gestützt von Werner Zimmerli, dem Verwaltungsratspräsidenten ad interim. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» erklärt der pensionierte Chefarzt, er sehe keinen Grund für einen Planungsstopp. Zum einen würden gültige Entscheide des Verwaltungsrats vorliegen und zum anderen werde wohl auch bei einer Strategieanpassung nicht alles über den Haufen geworfen. Der Bau der Frauenklinik mache Sinn und die Sanierung des Hauptbaus müsse ohnehin gemacht werden. Schliesslich sei nicht anzunehmen, dass schon sehr bald eine Lösung gefunden werde, die etwa das Bruderholz-Spital überflüssig machen könne.

Entscheiden möchte Zimmerli in seiner Amtszeit nur, was dringlich ist. Für die Funktionsfähigkeit des Spitals wichtig sei die Ernennung der Chefärzte für die Chirurgie und die Frauenklinik. Die erste Stelle werde rasch besetzt, für die zweite sei eine Kommission eingesetzt worden, erklärt Zimmerli. Intensive Gespräche werden mit David Hänggi geführt. Der Gynäkologe war designierter Chef der neuen Frauenklinik, als er mit seiner überraschenden Kündigung die Spitalkrise so eskalieren liess, dass es zur Entlassung des Direktors Heinz Schneider kam. Hänggi hatte sich beklagt, es sei unmöglich, die Standorte Liestal und Bruderholz zu führen und gleichzeitig den Aufbau einer neuen Klinik zu begleiten. Vor einer Neuanstellung soll deshalb zuerst die Struktur überprüft werden, sagt Zimmerli.

Die Amtszeit von Werner Zimmerli ist auf Ende April begrenzt. Bis dann soll Weber die Gesamtregierung nicht nur von seinen neuem Kandidaten für den Verwaltungsrat überzeugt haben, er hat ihr auch eine Überprüfung der Eignerstrategie vorzulegen. Die «Schweiz am Sonntag» hat vor zwei Wochen geschrieben, Weber sei von der Regierung in dieser Sache unter Kuratel genommen worden. Dem widerspricht Rolf Wirz, der Mediensprecher von Weber: «Das sind alles Aufträge, welches sich die Gesundheitsdirektion selber hat geben lassen und die von der Regierung abgesegnet wurden. Jede Direktion reicht solche Anträge ein und lässt sie vom Regierungsrat bestätigen.» Folglich sei Weber das Dossier auch nicht entglitten. Die Frage wird sich dann wieder stellen, wenn der Jahresabschluss 2013 auch offiziell vorliegen wird.

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