Von Miriam Glass

Manuel Herz mag provokante Fragen: Wie könnte ein Parlamentsgebäude für die fusionierten Kantone Basel-stadt und Basel-Landschaft aussehen? Diese Fragestellung legte der Architekt und ETH-Gastdozent vergangenes Jahr seinen Studenten vor, lange bevor die politischen Kämpfe zu einer Kantonsfusion begonnen hatten.

Ein Semester später hat Herz, Erbauer der Synagoge von Mainz und Inhaber eines Architekturbüros mit Sitzen in Basel und Köln, erneut ein Seminarthema von gesellschaftspolitischer Tragweite gewählt: Er liess seine Studenten Entwürfe für Basler Moscheen erarbein.

Es handelt sich dabei um eine Übung, nicht um reale Bauprojekte. Die Resultate beziehen sich jedoch auf konkrete Standorte: Vorgegeben waren das Areal der Ladybar an der Ecke Feldbergstrasse/Klybeckstrasse, das Gebäude der ehemaligen Post am Voltaplatz, der Rheinpark im St. Johann und eine Parzelle an der Solothurnerstrasse im Gundeli, unmittelbar neben dem Eingang zum Bahnhof SBB. «Da es sich um ein studentisches Projekt handelt, haben wir die Standorte nicht vertieft geprüft und uns nicht mit der Stadt oder den Eigentümern abgesprochen», sagt Herz. Er fügt jedoch an: «Total unrealistisch sind die Orte nicht. Sie befinden sich zudem in Quartieren, wo viele Muslime leben.»

«Ist die Zeit reif für eine grosse Moschee zu Basel?», lautete eine Frage in der Seminarausschreibung. 24 angehende Architektinnen und Architekten haben sicht- und greifbare Antworten geschaffen: Im Lauf eines Semesters sind 14 Modelle für Moscheen entstanden, die ab dem 20. Februar für eine Woche in der Fetih Moschee am Leimgrubenweg 6 im Basler Dreispitz ausgestellt werden.

Die Moschee befindet sich in einem Gewerbegebiet. Wie bei den meisten muslimischen Gebetsräumen in der Schweiz wurde das Gebäude nicht für die Moschee geplant; sie ist von aussen nicht als sakraler Ort erkennbar. «Wir haben in der Schweiz eine muslimische Bevölkerung von mehreren hunderttausend Menschen, räumlich aber ist davon nichts zu sehen», sagt Herz. Er geht davon aus, dass sich das ändern wird. «Nachdem sich die Aufregung um die Minarett-Initiative etwas gelegt hat, ist es an der Zeit, darüber nachzudenken, welche Rolle und Form muslimische religiöse Räume in der Schweiz einnehmen können.»

Die Studierenden haben höchst unterschiedliche Lösungen gefunden. So kombiniert Laure Nashed eine Moschee an der Stelle des heutigen Rheinparks mit einem Markt, der von sechseckigen Betonelementen wie von Bäumen beschattet wird. Der Gebetsraum ist mit mobilen Wänden eingefasst und kann vergrössert, verkleinert oder geöffnet werden. Zum Entwurf von Nora Spahija und Burak Düvenci für das Gundeldinger Quartier gehören ein Bildungszentrum mit Koranschule und ein Minarett.

Einen laut Herz «städtebaulich provokanter Eingriff» hat Jonas Rauber vorgelegt, der eine Moschee zwischen Ladybar und Denner an der Klybeckstrasse in die Höhe wachsen lässt. Der Bau mit Kebab-Lokal im Erdgeschoss ist Teil der bestehenden Blockrandbebauung.

Die Basler Muslim-Kommission steht den Arbeiten der ETH positiv gegenüber. Präsident Cem Karatekin sagt: «Solche Inputs real umzusetzen, wäre ein Traum.» Im Moment sei aber nichts dergleichen vorgesehen. Er hoffe, dass die Ausstellung der Modelle in der Fetih Moschee auf Interesse stosse. Selbst hat Karatekin die Arbeiten noch nicht besichtigt: «Ich lasse mich gern überraschen.»

Überraschen lassen werden sich die Beteiligten auch von den Reaktionen der Öffentlichkeit. Werden die Moschee-Entwürfe provozieren? Oder als Hochschul-Übung auf Desinteresse stossen? Manuel Herz sagt: «Wir provozieren nicht um der Provokation willen. Aber es geht schon darum, ein virulentes Thema aufzunehmen und zu schauen, was die Architektur für einen Beitrag an eine grössere Diskussion leisten kann.»

Der Seminartitel fürs kommende Semester steht denn auch schon fest. Er lautet: «Das Flüchtlingszentrum.»

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