Wäre Donald Trump Bundesrat, hätte er nach der Abstimmung zur USR III schnell sein Handy gezückt: «Nein zur Steuerreform. Die Lügen-Linke und die unehrliche Presse zerstören die Schweiz. So dumm! Totales Desaster!»

Selbst wenn der Tweet abwegig klingt, eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung findet offenbar Gefallen an den überdeutlichen Äusserungen («So sad», «stupid» «total loser») des neuen US-Präsidenten – und wünscht sich ähnlich klare Ansagen vom Bundesrat.

Zu dem Schluss kommt eine repräsentative Studie im Auftrag der «Schweiz am Wochenende». Über 1000 Personen aus der Deutschschweiz und der Romandie wurden zu Donald Trump befragt und was der Bundesrat von ihm lernen könne – und gaben erstaunliche Antworten (siehe Grafik). So meinen fast zwei Drittel, der Bundesrat solle – wie der neue US-Präsident – «eine Sprache sprechen, die man versteht». Anstatt bei Abstimmungen wie jener zur Steuerreform also «wertschöpfungsintensive Arbeitsplätze» und «Steuervorteile der Statusgesellschaften» vorzubringen, wünscht sich die Bevölkerung offenbar simple Sätze wie «behalten wir die Jobs in der Schweiz».

Druck vom Bundesrat

Deutliche Aussagen bleiben nicht die einzige Forderung an die Regierung. Rund die Hälfte wünscht sich einen Bundesrat, der schneller handelt, bessere Grenzkontrollen durchführt und Druck auf Unternehmen ausübt, Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen.

Ist Trump in der Schweiz also beliebt? Nein, die Umfrage weist eine grosse Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung seiner Eigenschaften und seiner Politik auf. Während die Befragten einige Persönlichkeitsmerkmale gern beim Bundesrat sehen würden, bleibt Trumps Politik höchst unbeliebt. Nur 13 Prozent der Befragten beurteilen seine bisherige Leistung positiv, für 67 Prozent ist sie schlecht. Dabei erhält Trump in der Romandie (17%) und bei Männern (18%) eine höhere Zustimmung als in der Deutschschweiz (11%) und bei Frauen (7%), wenn auch auf tiefem Niveau.

Für Michael Hermann, Politologe der Universität Zürich, ist diese Zwiespältigkeit ein Teil des Phänomens Donald Trump. «Auch in den USA ist Trump vielen Bürgern unsympathisch und für manche beängstigend», sagt Hermann, trotzdem sei er gewählt worden. «Trump löst bei den Menschen etwas aus, einige seiner Eigenschaften sind für Wähler attraktiv.» Hermann nennt die vereinfachte Weltanschauung, seine Haltung gegenüber Migranten und den Protektionismus («America First»).

Ein Schweizer Trump?

Die Diskrepanz ist laut Hermann auch Ausdruck eines tieferen gesellschaftlichen Wandels. In den vergangenen zehn Jahren habe es eine Entzauberung der klassischen Amtsträger gegeben. Die politische Etikette habe an Bedeutung verloren. «Ein schillernder Auftritt und mediale Präsenz sind heute wichtiger als eine gewissenhafte Amtsausführung.»

Ausserdem preist Trump sich als Gegenstück zum Establishment. Die höchste Zustimmung (32%) erhält Trump dementsprechend dafür, dass er «das umsetzt, was er im Wahlkampf versprochen hat». Hingegen findet eine klare Mehrheit von 73% eine Grenzmauer zu Mexiko eine schlechte Idee.

Werden deshalb schillernde Figuren künftig auch die konsensorientierte Schweiz prägen? «Es gibt bereits einige Beispiele», sagt Hermann. «Oskar Freysinger wäre vor zehn Jahren nie Mitglied der Walliser Regierung geworden.» Der neue US-Präsident sei aber eine andere Kategorie. «Die Schweiz will keinen Donald Trump», sagt Hermann. «Dieses übergrosse Ego, dieses ‹Nur ich kann das Land retten›, kommt bei uns nicht gut an.»

Die repräsentative Studie der «Schweiz am Wochenende» über die Beliebtheit des US-Präsidenten Donald Trump wurde vom 17. bis 24. Februar 2017 von der Marketagent
.com Schweiz AG anhand von Computer- gestützten Online-Interviews durchgeführt. Beteiligt waren 1 000 Personen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren in der deutschen und französischen Schweiz. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich ist auf Markt- und Meinungsforschung spezialisiert und verfügt über ein ISO-zertifiziertes Befragungspanel von 50 000 Personen.