Wirklich zufrieden mit der Bilanz des G-20-Gipfels kann Gastgeberin Angela Merkel (CDU) nicht sein. Zwar ist es der Kanzlerin in zähen Verhandlungen gelungen, die USA im umstrittenen Klima-Dossier zu isolieren. Mit Ausnahme der USA stellten sich zunächst alle Mitglieder der G-20 hinter das Pariser Klimaabkommen. Doch bereits nach Abschluss des Gipfels kam der nächste Rückschlag. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte plötzlich die Umsetzung des Abkommens durch sein Land infrage. Der damalige französische Präsident François Hollande habe ihm versprochen, dass die Türkei nicht in die Gruppe der Industriestaaten eingestuft werde, sagte Erdogan. «Solange die Versprechen, die man uns gegeben hat, nicht gehalten werden, werden wir das in unserem Parlament auch nicht ratifizieren.»

Dem Wunsch der Amerikaner nach Neuverhandlungen erteilten die Gipfel-Teilnehmer noch eine Absage. Und Merkel hatte bei der Abschluss-Pressekonferenz betont: «Da wo es keinen Konsens gibt, muss auch der Dissens erscheinen.» Beim zweiten grossen Streitthema, dem Freihandel, gelang es Merkel dagegen, US-Präsident Trump ins Boot zu holen und ein Bekenntnis gegen Protektionismus zu unterstützen. Angesichts der aktuellen Meinungsverschiedenheiten beschwor Merkel die G20-Mitglieder: «Durch gemeinsames Handeln können wir mehr erreichen als alleine.»

Konsens beim Welthandel

Beim ebenso strittigen Thema Welthandel erreichte Merkel also eine grundsätzliche gemeinsame Linie. «Ich bin sehr zufrieden, dass es gelungen ist zu sagen, dass die Märkte offengehalten werden», sagte Merkel. Auch für ein Votum zum Kampf gegen den Protektionismus und zur Wahrung eines regelgestützten internationalen Handelssystems liess sich der US-Präsident gewinnen. Ein «brisantes Problem» aus Sicht vor allem der USA stellen die Überkapazitäten beim Stahl da. Hier steht besonders China als weltgrösster Stahlproduzent in der Kritik, kritisiert werden aber auch die Europäer. Trump wirft ihnen vor, mit Dumpingpreisen seine heimische Industrie unter Druck zu setzen, und erwägt Strafzölle.

Politisch gelang auf dem Gipfel in Hamburg trotzdem ein unerwarteter Fortschritt: US-Präsident Donald Trump verabredete bei seinem ersten Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin eine Feuerpause für den Südwesten Syriens und nährte damit Hoffnungen auf ein Ende des jahrelangen Bürgerkrieges. (CR)