Schon als achtjähriger Junge stand er begeistert auf der Bühne der Stadthalle Dietikon und spielte vor ausverkauften Rängen. Auch viele Jahre später ist von dieser Begeisterung nichts verschwunden. Roger Küng widmet sein Leben ganz der Musik und ist mit ihr verheiratet, wie er selber sagt.

Wenn dieses Wochenende im Singsaal des Schulhauses Hübwies in Geroldswil rund 30 Musiker im Alter zwischen 6 und 60 Jahren zusammenkommen, darf Küng ein grosses Jubiläum feiern: Es ist sein 20. Showkonzert, das alle seine verschiedenen Musikensembles vereinigt. Während eine kleine Kabaretttruppe für satirische Einschübe sorgen wird, stimmen Chor und Steelband zum gemeinsamen Lied an – begleitet vom Schlagzeug natürlich, Küngs grosser Leidenschaft.

Alle diese verschiedenen Musikrichtungen zusammen zu bringen, sei jedoch nicht einfach, sagt er. «Wir brauchen etwa 10 Monate Vorbereitungszeit, bis alle für den Auftritt bereit sind.»

Jedoch: Jedes Ensemble übt alleine mit Küng für den grossen Auftritt. «Am Donnerstagabend haben wir uns zur ersten und einzigen Generalprobe alle zusammen getroffen. Und es hat funktioniert.» Kleinere Pannen seien absolut normal, meint Küng. Dank dem vielen Üben wisse aber jeder genau, was er machen müsse.

Ganz einfach sei das Musizieren vor allem mit Kindern jedoch nicht immer. «Es macht sehr viel Spass und ist enorm bereichernd, aber manchmal auch sehr fordernd.» Denn während sich die Kinder auf die Auftritte immer sehr freuen würden, sei es unter dem Jahr nicht immer einfach, sie zum Üben zu motivieren. «Musik erfordert für den Schüler, aber auch für mich ein hohes Mass an Selbstdisziplin», ist sich Küng sicher. Daher sei es ihm auch immer klar gewesen, dass er nicht einfach Musiklehrer sein könne. «Den ganzen Tag in einem Bandraum zu sitzen und Unterricht zu geben, das geht nicht. Ich will selber auch auf die Bühne, da gehöre ich hin.»

Und dort steht er nun schon sein ganzes Leben. Sieben Tage die Woche, fast das ganze Jahr, sei er irgendwo in der Schweiz unterwegs. Er probt zusammen mit Bands und Ensembles, ist manchmal aber auch als Alleinunterhalter unterwegs. «Ich lebe von der Musik, aber es ist keine Arbeit für mich, sondern Passion.» Viel Zeit für andere Dinge bleibe da jedoch nicht, sagt Küng, denn die Musik beschäftige ihn immer. «Klar gibt es auch mal ruhigere Zeiten, aber man muss mit der Musik verheiratet sein, damit man immer Freude daran hat.»

Gestatten, Phil Collins
Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite: Einsamkeit. «Ich bin immer unterwegs, auch an den Wochenenden, da bleibt keine Zeit für eine Familie oder Freunde.» Dies werde ihm manchmal bewusst, wenn er am Abend nach Hause komme und niemand auf ihn warte. Für ihn sei dies der einzige wirkliche Nachteil seines Schaffens. «Am schlimmsten von allem ist wirklich die Einsamkeit.» Kompensieren könne er dies aber durch die gute Bindung in der Band, die über das gemeinsame Musikmachen hinausgehe. «Die Bandmitglieder sind für mich meine Familie.»

Dank dieser Familie mache er auch immer wieder interessante Bekanntschaften mit international bekannten Künstlern. So habe er schon Phil Collins oder James Last getroffen und sich mit ihnen ausgetauscht. «Am Anfang war ich total nervös und plötzlich realisiert man, wow ich betreibe gerade Smalltalk mit Phil Collins.» Für Küng seien solche Momente unvergesslich.

Dass er musizieren kann, wie er das tut, ist nicht selbstverständlich, denn Küng hat eine starke Sehbehinderung. Im Alter von zehn Jahren erhielt er die Diagnose, dass er erblinden werde. «Als Kind glaubt man einem Arzt so etwas nicht, ich habe ja nicht mal verstanden, was ein Gendefekt ist.» Doch mit 20 Jahren änderte sich plötzlich vieles schlagartig für ihn, die Sehkraft verschlechterte sich drastisch und nehme seither laufend ab.

«Mittlerweile sehe ich fast nichts mehr», sagt Küng. «Damit ich meine Bühnenshows machen kann, brauche ich ein Team um mich, das genau weiss, was es machen muss.» Die Vertrauensbasis, die dadurch entstehe, sei extrem hoch. Denn «diese Leute sind meine Augen.» Sobald er aber am Schlagzeug sitzt, braucht er seine Augen nicht mehr. «Ab dann läuft alles über den Kopf und die Ohren.»

Er spielt wortwörtlich blind.

Roger Küng und sein Show-Ensemble spielen am Samstag um 19.30 Uhr und am Sonntag um 17.00 Uhr im Singsaal des Schulhauses Hübwies in Geroldswil. Eintritt frei.