«Chefredaktoren sind heute die Handlanger jener, die Journalismus aufs unternehmerische Niveau einer Schraubenfabrik trimmen.» Dieser Satz stand am 24. Januar 2010 unter dem Titel «Kall auf Fall» in meiner ersten Medienkolumne für die «Schweiz am Sonntag» (damals noch: «Der Sonntag»). Seither hat sich in der Medienbranche viel verändert. Heute ist man schon froh, wenn eine Zeitung überhaupt noch einen eigenen Chefredaktor hat.

Sowieso liest sich die Themenliste dieser Kolumne im Rückblick wie ein Höllenritt durch den Medienwandel. Der Massenexodus der Journalisten in die PR («Aussteiger des Jahres», 9. Januar 2011) war ebenso Thema wie «Magazin»-Autoren, die für «Möbel Pfister» werben («Dem Konto verpflichtet», 24. April 2011). Der Aufstieg der sozialen Medien («Im Twitter-Gewitter», 26. Juni 2011) die Brutalisierung der Online-Kommunikation («Leser, warum tut ihr das?», 6. Oktober 2013), das Aufkommen der sogenannten Fake News («Gefühlte Fakten», 13. September 2015), die Verflachung des Journalismus («Regungslos in der Newsfabrik», 22. Mai 2016) – über all das und mehr habe ich mir für Sie von 2010 bis an den heutigen Tag Gedanken gemacht.

Dies ist meine 96. Medienkolumne – und die vorerst letzte. Sieben Jahre lang die Irrungen und Wirrungen der Mediengesellschaft, den Wandel der Verlage und die Wandlungen des Journalismus zu beobachten und kommentieren, war grosser Spass und grosses Privileg zugleich. Jetzt stecke ich Hals über Kopf in anderer Arbeit. Für mich ist es das Ende einer kleinen Ära.

Und der Beginn einer neuen Ära – und neuen Ärgers. Ich bedanke mich für Ihr Interesse an Medienjournalismus und wünsche Ihnen schöne Festtage und ein gutes neues Jahr 2018.

Anm. der Redaktion: Wir danken Christof Moser herzlich für sein 96-faches Kolumnieren und wünschen ihm mit der "Republik" viel Erfolg!