Sie sind klein, billig, effektiv und oft kritisiert. Drohnen, unbemannte Fluggeräte also, erobern den Schweizer Himmel. Kleine Ausführungen mit vier bis acht Rotoren, kaum grösser als ein Wäschekorb, sind bereits für wenige hundert Franken erhältlich. Mit einer Kamera versehen, können die Drohnen wertvolle Informationen aus der Luft liefern. Das haben nun auch Polizeikorps und Feuerwehren erkannt.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, bestätigt etwa den geplanten Erwerb von Mikrodrohnen. Diese sind deutlich kleiner, wendiger und auch billiger als die Drohnen, welche die Armee oder die Grenzwache einsetzen. Die Drohnen würden nicht für die Überwachung von Demonstrationen oder Grossanlässen eingesetzt. «Die Drohnen sollen mit Kameras ausgerüstet werden, die Fotos von Endsituationen von Verkehrsunfällen machen», sagt Cortesi. Es handle sich aber nicht um Filmaufnahmen und auch nicht um Live-Bilder. Grössere Drohnen, mit denen Anlässe überwacht werden können, mietet die Stadtpolizei Zürich bei Bedarf bei der Armee an. Zuletzt geschah dies am 1. Mai dieses Jahres.

Die Stadtpolizei Zürich ist nicht allein: Auch bei der Kantonspolizei St. Gallen ist der Erwerb von Drohnen «ein aktuelles Thema», wie ein Sprecher sagt. Die Kantonspolizei Zürich verfolgt die Entwicklung bei den Drohnen mit Interesse, sagt ihr Sprecher Werner Benz.

Auch Sicherheitsfirmen entdecken die Drohnen für sich. Zwar gibt es rechtliche Hürden. Drohnen müssen gemäss Bazl-Richtlinien auf Sicht geflogen werden, eine Steuerung über den Monitor ist nicht erlaubt. Dennoch setzen erste Sicherheitsfirmen bereits Drohnen ein.

Ein Beispiel dafür ist die Firma 4safe aus St. Gallen, die mit einer Drohne das Open Air St. Gallen überflog. «Wir setzen die Drohne zurzeit nur für die Produktion von Image-Fotos ein», heisst es bei der Sicherheitsfirma. «Flugfähige Überwachungsgeräte sind in der zivilen Sicherheitstechnik seit längerem ein Thema», sagt Urs Stadler von Securitas. «Wir verfolgen diese Entwicklung professionell aufmerksam.»

Von Interesse sind die kleinen Fluggeräte auch für Feuerwehren. Sie können mit den Drohnen Brände überfliegen, um ein genaueres Bild zu vermitteln. Auch die Kopplung von Wärmebildkameras mit Drohnen ist denkbar. Anbieter von Drohnen nehmen nun Schweizer Feuerwehren ins Visier. «In letzter Zeit haben verschiedene Anbieter, hauptsächlich von Quadrocoptern, Vorführungen in Feuerwehrkreisen gemacht», sagt Robert Schmidli, Direktor des Schweizerischen Feuerwehrverbands. Die Offensive zahlt sich aus: «Wir prüfen zurzeit den Einsatz von Drohnen bei der Feuerwehr», heisst es etwa bei der Berner Berufsfeuerwehr. Auch die Genfer Feuerwehr ist begeistert von einem Test im Mai.

Damals simulierte sie einen Brand in einer grossen Lagerhalle und erkundete das Gelände mit einer Drohne. «Die Ergebnisse waren sehr überzeugend», sagt Nicolas Schumacher von der Stadt Genf. «Deshalb verfolgen wir das Projekt weiter.» Im Kanton Graubünden werden grosse Drohnen der Armee bereits heute genutzt. «Wir haben Drohnen bereits mehrmals bei Waldbränden in Südbünden eingesetzt», sagt Feuerwehrinspektor Hansueli Roth.

Von Drohnen könnten auch weitere Branchen profitieren. Die Deutsche Bahn etwa will gemäss der «Süddeutschen Zeitung» mit Drohnen auf Sprayerjagd gehen. In 150 Meter Höhe soll eine mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Drohne Graffiti-Sünder entdecken. Die SBB könnten folgen. «Wir beobachten die technische Entwicklung und die Einsatzmöglichkeiten fortlaufend», sagt Sprecherin Franziska Frey.

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