Es war ihr schönstes Weihnachtsgeschenk. Vor einem Jahr, am 25. Dezember, erhielt Lilian Züger einen Anruf, der ihr Leben veränderte – das Universitätsspital Zürich hatte ein Spenderherz gefunden. «Ich weinte vor Glück, fürchtete mich aber gleichzeitig vor dem Eingriff», erinnert sich die 50-Jährige. Noch am selben Tag wurde sie ins Spital eingeliefert. Sechs Stunden später schlug ein neues, gesundes Herz in ihrer Brust.

Lilian Züger hatte Glück. Spenderherzen sind rar. Gemäss Swisstransplant, der nationalen Stiftung für Organspenden, warten zurzeit 39 Patienten auf ein neues Herz. Deshalb werden vermehrt Kunstherzen eingesetzt. Sie unterstützen das eigene, kranke Herz. So kann der Patient erst einmal überleben, bis ein passender Spender gefunden ist. Auch Lilian Züger erhielt zuerst ein Kunstherz. «Das hat mein Leben gerettet», sagt sie heute.

Jährlich werden am Universitätsspital Zürich zehn dieser mechanischen Herzen implantiert. Sie überbrücken nicht nur die Wartezeit, sie sorgen auch dafür, dass die Patienten nach jahrelanger körperlicher Einschränkung erstmals wieder zu Kräften kommen. So steigen die Chancen für eine erfolgreiche Organtransplantation. Allerdings stossen die Kunstherzen in der Regel nach zwei Jahren an ihre Grenzen.

Doch das kann sich bald ändern. Gemeinsam mit der Universität Zürich und der ETH arbeitet das Universitätsspital derzeit an einer neuen Kunstherztechnologie. «Zürich Heart» heisst das Projekt, das dank Stiftungsgeldern von 1,6 Millionen Franken nun starten kann. «Durch die Kooperation unter den Hochschulen haben wir ein Know-how, das weltweit Seinesgleichen sucht», sagt Volkmar Falk, Chef der Herzchirurgie am Unispital.

An Ideen mangelt es den Forschern und Ärzten nicht. Bisher sind alle Kunstherzen durch ein Kabel mit einer Batterie ausserhalb des Körpers verbunden, die täglich aufgeladen werden muss. Das ist mühsam für die Patienten. Deshalb sollen die Kabel nun ganz verschwinden, indem die Kunstherzbatterie implantiert und durch die Haut elektromagnetisch aufgeladen wird. Ausserdem tüftelt die ETH an neuen Materialien wie dem Glasmetall, das vollkommen glatte Oberflächen ermöglicht. So können lebensgefährliche Blutgerinnsel in den Implantaten verhindert werden, eines der grossen Risiken der Kunstherzen.

Noch futuristischer ist die Idee eines Hybrid-Herzens, einer Kombination aus mechanischen und biologischen Teilen mit eigens dafür gezüchteten Zellen. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, doch die Forscher sind zuversichtlich, aussergewöhnliche Innovationen hervorzubringen.

Herzchirurg Falk rechnet damit, das Ende 2013 die ersten Ergebnisse der Forschungen vorliegen. «Ich kann nicht garantieren, dass wir in Zürich das Kunstherz der Zukunft entwickeln», sagt Falk. «Aber wir werden einen bedeutenden Beitrag leisten.»

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