VON PATRIK MÜLLER UND FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL

Blatter sagt im «Sonntag»-Interview, es gebe «Leute, die in eine andere Stadt ziehen möchten». Nicht aus steuertechnischen Überlegungen, sondern «eher aus Prestigegründen». Blatter verspricht, er werde dafür kämpfen, dass die Fifa in Zürich bleibe.

Deshalb macht er sich jetzt auch dafür stark, dass das Stadion Zürich vorangetrieben wird – mit dem Ziel, es zum «Fifa-Stadion» zu machen. Blatter: «Wenn wir neben dem ‹Home of Fifa› (dem neuen Hauptsitzgebäude, die Red.) noch ein Fifa-Stadion haben, wird man kaum darüber nachdenken, aus dieser Stadt wegzuziehen.» Ziel des 73-jährigen Blatter ist, Zürich über seine Amtszeit hinaus als Fifa-Stadt zu erhalten. Das repräsentative «Home of Fifa» in der Nähe des Zürcher Zoos hat sich der Verband 240 Millionen Franken kosten lassen. Es wurde 2007 eröffnet.

Wer darauf hinarbeitet, die Fifa aus Zürich zu verlagern, will Blatter nicht verraten. Offenbar gibt es jedoch einflussreiche Kreise, die Paris als Hauptsitz sehen. Ein Dorn im Auge soll Zürich zum Beispiel Michel Platini sein, dem Präsidenten des europäischen Fussballverbands Uefa. Dieser war früher in Paris domiziliert, 1959 zügelte er in die Schweiz – erst nach Bern, später nach Nyon im Kanton Waadt.

Dass die Schweiz sowohl die Fifa wie auch die Uefa beheimatet, passt vielen internationalen Fussballfunktionären anderer Länder nicht. Sie wollen die gegenwärtige politische Schwäche der Schweiz ausnutzen, die in den letzten Monaten viele Staaten verärgert hat – und lobbyieren hinter den Kulissen gegen sie.

Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch betont die Bedeutung der Fifa für die Limmatmetropole: «Herr Blatter und die Fifa tragen den Namen Zürichs in die Welt hinaus und machen weltweit unbezahlbare Werbung für unsere Stadt. Die Fifa ist auch ein Wirtschaftsfaktor und schafft in Zürich direkt und indirekt Hunderte Arbeitsplätze und generiert Tausende von Hotelübernachtungen.» Mauch weiter: «Als Stadtpräsidentin hoffe ich, dass Zürich noch mindestens weitere 78 Jahre Hauptsitz der Fifa bleibt.»

Joseph Blatter äussert sich im Interview zudem über die Terrorgefahr an der Fussball-WM in Südafrika. Das Land sei sicher – und nicht mit Angola vergleichbar, wo vor kurzem ein Anschlag auf die Nationalmannschaft von Togo verübt wurde. Er appelliert an die Fans: «Reist nach Südafrika!»

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