Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat ein Luxusproblem. Die staatlichen Kulturförderer wissen nicht, wie sie ihr Geld ausgeben sollen. Stolze 800 000 Franken sind im Budget 2012 für die neu geschaffenen Eidgenössischen Literaturpreise vorgesehen – für die Preise selbst sowie für die Vermarktung der Auserwählten. Das Problem: Es gibt noch keine Preisträger – und damit auch noch keine Promotionsaufgaben für Autoren. Die erste grosse Verleihung ist für Mai 2013 angesagt. Im Rahmen der Solothurner Literaturtage vergibt das BAK dann drei Lebenswerk-Preise: für einen Autor, einen Übersetzer und einen Literaturvermittler.

Doch das belastet erst die Rechnung vom nächsten Jahr, wo wieder 800 000 Franken budgetiert sind. Also was tun mit dem Geld für 2012? Das BAK zieht als Antwort auf die Geldfrage nun einen Teil der Verleihung vor: «Am 4. Dezember werden in Bern in der Nationalbibliothek die Gewinner bekannt gegeben, welche eine Jury aus 236 eingereichten Büchern auswählt», sagt Franziska Burkhardt, Chefin der Sektion Kulturschaffen beim BAK. Jeder der sieben bis neun Gewinner erhält ein Preisgeld von 25 000 Franken.

Zudem plant Burkhardt «eine Zusatzmassnahme für die Gewinnertexte». Was das genau heisst, will sie jedoch noch nicht verraten. Klar ist aber, dass es etwas vom grosszügigen Budget abbaut, ebenso wie Lesereisen, die sich allenfalls noch kurz vor Weihnachten organisieren lassen.

Doch letztlich bleibt rund eine halbe Million im Topf. Wird diese heuer nicht ausgegeben, dann fällt sie zurück an die allgemeine Bundeskasse. Was die Kassenwärter freut, reut die Kulturförderer. Deshalb sucht das BAK nach weiteren Ausgabemöglichkeiten. «Mit einem Teil des Geldes schaffen wir eine eigene Website für die Literaturpreise», sagt Burkhardt. Den Rest gedenkt sie mit einem buchhalterischen Trick zu retten: Sie will das Geld für die Ankäufe von Kunstwerken bereitstellen, die der Bund jedes Jahr tätigt. Im kommenden Jahr soll dann ein entsprechender Geldbetrag vom Kunst-Budget für die Literatur abgezweigt werden. «Das ist eine Option, wir werden das morgen Montag diskutieren», betont Burkhardt.

Von solchen Buchhaltungsproblemen kann man bei der Konkurrenz nur träumen: Der Schweizer Buchpreis, der im November anlässlich des Buch- und Literaturfestivals Buch Basel zum fünften Mal vergeben wird, ist zwar anders als ursprünglich angekündigt wieder mit 40 000 Franken dotiert. Doch das nur, weil der Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) mit Jobst Wagner, dem Berner Unternehmer und Präsidenten der Rehau-Gruppe, in letzter Minute einen Mäzen aus dem Hut zaubern konnte.

Der Versuch des SBVV, seinen zwar jungen, aber bereits etablierten Buchpreis als Deutschschweizer Beitrag in die Literaturpreisinitiative des Bundes einzubringen und so finanziell langfristig auf solide Basis zu stellen, ist kläglich gescheitert. Das BAK und der SBVV konnten sich nicht einigen.

Ähnliche Pirouetten wie bei der Literatur muss das BAK auch beim Tanz drehen, wo neu ebenfalls Preise als Kulturförderungsmassnahme vergeben werden. Hierfür stehen dem Kulturamt pro Jahr 400 000 Franken zur Verfügung. Und auch in dieser Kategorie gibt es bis jetzt keine Preisträger und damit auch keine Ausgabemöglichkeiten. Einzig der Aufbau einer eigenen Website braucht Geld.

Deshalb hat das BAK schon jetzt die «Ausschreibung Kulturerbe Tanz» eröffnet. Eine Jury wird im November die eingegangenen Projekte auswählen und für diese «als Sensibilisierungsaktion» Fördergelder von bis zu 100 000 Franken vergeben. Die eigentlichen Tanzpreise werden dann im September 2013 in Freiburg verliehen.

Beides, Sensibilisierungskampagnen wie Tanzpreise, sollen im Zweijahresrhythmus vergeben werden – idealerweise im gleichen Kalenderjahr. Doch das ist heute aus Budgetierungsgründen nicht möglich. «Wir suchen mit der Finanzverwaltung Lösungen», sagt Franziska Burkhardt. Ihr Ziel: «Wir hätten gerne alle zwei Jahre ein Budget von 800 000 Franken.»

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