Für die meisten Fans des Grasshopper-Clubs Zürich (GC) und des Fussballclubs Zürich (FCZ) ist die Idee unvorstellbar: das Verschmelzen ihrer beiden traditionsreichen Teams. Trotzdem wird seit Jahren über eine Fusion des FCZ und GCZ diskutiert – ohne konkretes Resultat.

Doch nun könnte das Thema neuen Schwung erhalten. Denn gegenüber der «Schweiz am Sonntag» spricht sich Peter Spuhler deutlich für eine Fusion aus: «Irgendwann müssen die über den Schatten springen und sich zusammenlegen», sagt der Chef des Thurgauer Zugunternehmens Stadler Rail und ehemalige SVP-Nationalrat. Sein Wort hat Gewicht, schliesslich hat er in früheren Jahren zusammen mit Autounternehmer Walter Frey die Eishockeyabteilung des Grasshopper-Clubs geführt und die Fusion mit dem ZSC vorangetrieben.

«Die Fusion GC - ZSC war eigentlich meine Idee, Walter Frey war da am Anfang zurückhaltend», sagt Spuhler. «Aber es war der absolut richtige Weg. Im Fussball sollten das GC und FCZ auch machen.» Im Eishockey sei man schliesslich mit vier Meistertiteln seit der Fusion ausserordentlich erfolgreich, sagt Spuhler.

«Das Zuschauer- und Werbemittelpotenzial für zwei Fussball-Spitzenklubs in Zürich ist einfach zu klein. Beide leiden finanziell», sagt der Zürcher. Dazu komme noch die ganze Stadionfrage – «ein leidiges Thema». Er ist sich sicher: «Eine Fusion würde ungeahntes Potenzial freimachen. Es wäre Zeit, dass ein Zürcher Klub wieder national und international spitze wird. Was die Basler können, sollten die Zürcher auch können.»

Auf Zustimmung dürften Spuhlers Parolen bei Rolf Dörig stossen. Der Präsident des Versicherers Swiss Life und Verwaltungsrat der ZSC Lions ist Zentralvorstandsmitglied des Grasshopper- Clubs, den er bis 2009 auch präsidierte. Nebst dem Fussballgeschäft gehören dazu auch Sektionen wie Tennis, Rudern, Unihockey und Squash. Laut Insidern hat sich Dörig in der Vergangenheit stark für eine Fusion engagiert.

Mehr noch: Aus dem FCZ-Umfeld wird kolportiert, dass sich der Zentralvorstand 2011 gar Gedanken über ein Abstossen des Fussballgeschäfts machte. Damals hatte die Misere von Rekordmeister GC einen Höhepunkt erreicht, und es wurde spekuliert, ob die Hoppers aus finanziellen Gründen bald auf dem Aarauer Brügglifeld spielen müssen.

Dem Vernehmen nach sollen auch die neuen Teilhaber der GC-Fussballsektion, der sogenannte Owner’s Club, für eine Fusion tendenziell offen sein. «Bei ihnen herrscht vor allem ein betriebswirtschaftliches Denken», sagt ein Branchenkenner. Vergangenen Herbst hatte die «NZZ am Sonntag» publik gemacht, dass oberste Klub-Vertreter über ein Zusammengehen sprachen. Doch kurz danach erlebte GC sportlich einen Höhenflug, wodurch es sich die GC-Spitze anders überlegte.

Sowohl GC-Sprecher Adrian Fetscherin als auch FCZ-Chef Ancillo Canepa betonen auf Anfrage, dass eine Fusion absolut kein Thema sei. «Wir arbeiten schon heute in verschiedenen Bereichen mit GC eng zusammen, und wir beabsichtigen, mit ihnen und der Stadt für das neue Stadion eine gemeinsame Betriebsgesellschaft zu gründen», sagt Canepa. «Aber mehr nicht.»

Dennoch ist unbestritten, dass ein einzelner Super-League-Klub für Zürcher Grossfirmen bedeutend attraktiver wäre, da man keine Partei beziehen müsste – mit der Gefahr, Kunden und Fans zu vergraulen. Käme es zur Fusion, bräuchte es aber wohl einen «weissen Ritter», der bereit wäre, einige Jahre lang mehrere Millionen Franken einzuschiessen, da in einer ersten Phase viele Geldgeber und Fans abspringen würden. Gesucht wäre ein reicher Unternehmer mit Sportader. Leute wie Philippe Gaydoul, Thomas Matter – oder Peter Spuhler.

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