Die Website Preisbarometer.ch, welche diese Woche vom Bund und den Konsumentenschutzorganisationen lanciert wurde, steht zunehmend im Kreuzfeuer der Kritik. Nachdem bereits der Gewerbeverband harsch reagierte, doppelt nun die grösste Schweizer Wirtschafts-Dachorganisation Economiesuisse nach.

«Das ist kein echter Preisbarometer, sondern ein politisches Kampagneninstrument für einen Teil der Konsumentenschutz-Organisationen», sagt Thomas Pletscher, Geschäftsleitungsmitglied der Economiesuisse. So würden die Konsumenten zusätzlich animiert, im Ausland einzukaufen. «Ein echter Preisbarometer müsste einen repräsentativen Warenkorb wiedergeben mit aktuellen Preisen inklusive aller relevanten Faktoren wie der Fahrtkosten über die Grenze. So wie er jetzt daherkommt, bietet er keine echte Konsumenteninformation.»

Der Bund und die vier Konsumentenschutzorganisationen des Landes würden als Zweck des Barometers die Sensibilisierung der Kundschaft anführen, sagt Pletscher. «Doch die Kunden sind bereits sensibilisiert. Die Preisunterschiede sind in den Medien ständig ein Thema.» Er frage sich deshalb, weshalb der Bund 500000 Franken für den Aufbau der Website bereitstellen müsse, und in den nächsten zwei Jahren weitere 200000 Franken.

Das Wort des Verbandes hat Gewicht, schliesslich zählen zu seinen Mitgliedern 100 Branchenverbände und 20 kantonale Handelskammern. Insgesamt vertritt Economiesuisse rund 100000 Unternehmen. Marlis Koller-Tumler, Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Konsumentenfragen, bestätigt, dass der Preisbarometer in der nächsten Sitzung vom 6. Dezember auf den Traktanden steht.

Mit der Kritik fällt Economiesuisse «seinem» FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann in den Rücken. Denn der Preisbarometer ist eines der wenigen konkreten Resultate des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements nach den Gesprächen am runden Tisch im Sommer 2011, als der Einkaufstourismus in aller Munde war.

Kritiker monieren vor allem, dass beim Aufbau des Barometers weder Wissenschaftler noch Wirtschaftsvertreter herbeigezogen worden seien. Nun würden nur Listenpreise verglichen, ohne Einbezug von Aktionen. Zudem wird der Preisvergleich nur zweimal pro Jahr durchgeführt, wodurch die Zahlen nach der Aufschaltung zum Teil sehr schnell veraltet sind. «Wenn der Bund schon einen sinnvollen Preisvergleich macht, dann reichen 500000 Franken nicht aus, dann müsste man eine Null dazustellen», sagt ein Bundesvertreter. So sei der Vergleich zu statisch. Nur zwei Erhebungsrunden pro Jahr und der Aufruf an die Bevölkerung, extreme Beispiele einzusenden, reiche nicht. «Es bräuchte ein ganzes Expertenteam.»

Die deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl kommen auf der Website nicht vor. Verglichen werden ausserdem nur Markenartikel, was die Migros auf die Palme bringt: «Dieser Preisbarometer ist grotesk», sagt Migros-Sprecher Urs-Peter Naef.

Die Detailhändlerin hat sich die Zahlen genau angesehen und stiess auf Fehler. Elf ausgewiesene Preise der Migros seien nicht korrekt, sagt Naef. «Bei sieben Artikeln werden zu geringe Preise angegeben, bei vier davon zum Teil deutlich zu hohe.» Als Beispiel nennt er den Gillette-Fusion-Proglide-Rasierer. Laut der Website kostet er bei der Migros Fr. 28.80 anstatt der korrekten Fr. 24.80. «Diese Fehler haben einen Einfluss auf die gezeigte Rangliste», sagt der Migros-Sprecher. Bei der Zürcher Detailhändlerin dürfte nun der Druck grösser werden, selber alle Preis-Auf- und -abschläge ins Internet zu bstellen, so wie dies Coop bereits getan hat.

Auf die Fehler angesprochen, zeigt sich Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, überrascht. «Das kann ich mir fast nicht vorstellen. Schliesslich haben wir die Preise der Migros und den anderen Händlern zur Kontrolle vorgelegt.»

Sollten aber doch Fehler existieren, seien diese sicher nicht absichtlich entstanden und müssten umgehend gemeldet werden. Sowieso spiele der Preis von einzelnen Produkten aber keine entscheidende Rolle, sagt Stalder. «Uns geht es darum, die Tendenz der Preisentwicklung über eine gewisse Zeitspanne aufzuzeigen.» Sie räumt ein, dass man bei der Gestaltung des Barometers die Wirtschaft bewusst nicht einbezogen habe. «Die Preise auf der Website sollen den Konsumentenalltag widerspiegeln.»

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