Es grenzt an Schwärmerei, wenn die Tamedia-Unternehmenssprecherin Eliane Gräser sagt: «Wir stellen in den benachbarten ausländischen Märkten eine hohe Kompetenz im Radiobereich fest.» Sie meint: «Ein neuer Eigentümer aus dem Ausland würde diese Kompetenz einbringen und gleichzeitig eine Bereicherung für die Medienvielfalt in der Schweiz darstellen.» Aus diesen Gründen, so Gräser, «könnte ein Verkauf ins Ausland interessant sein».

So deutlich hat sich das Verlagshaus noch nie zur Auslandoption geäussert. Das ist kein Zufall, denn die Hinweise auf eine zweite potente mögliche Käuferschaft neben Roger Schawinski häufen sich. Nach Informationen des «Sonntags» steht ein Investor aus Deutschland im Vordergrund. «Wir prüfen alle aus dem In- und Ausland eingehenden Angebote», sagt Gräser lediglich.

Dabei kursiert ein schillernder Name: Karlheinz Kögel. Er begann als Schreiner und zimmerte sich ein beeindruckendes Imperium aus zeitweise 12 Firmen mit einem Gesamtumsatz von gegen einer halben Milliarde Franken zusammen (Media Control GmbH, L’tur). Einen Fuss hat Kögel schon in der Schweizer Radioszene: Er ist Partner von Christian Heeb bei Radio Basel, der aus dem Sender aussteigen will. Die Anteile sollen Kögel übertragen werden. Damit wird der Deutsche 99,9 Prozent der Aktien von Radio Basel halten. Die Frage, ob er sich auch für Radio24 interessiert, liess er trotz mehreren Anfragen unbeantwortet. Fakt ist: Zwei Konzessionen sind laut Radio- und Fernsehgesetz erlaubt.

Falls Roger Schawinski den Zuschlag bekäme, wäre er neben Radio1 ebenfalls im Besitz eines zweiten Senders. Zu den laufenden Verhandlungen will er sich nicht äussern. Doch Schawinski bezieht klar Stellung, wenn es um einen möglichen Verkauf nach Deutschland geht: «Radio 24 ist ein wichtiger und emotionaler Teil der Mediengeschichte der Schweiz. Deshalb sollte der Sender nicht leichthin ins Ausland verhökert werden.» Beim Verkauf von TeleZüri und Radio 24 vor zehn Jahren bestand er gegenüber seinen Partnern von der Credit Suisse First Boston darauf, dass aus medienpolitischen Erwägungen nur ein Schweizer Medienunternehmen infrage komme.

Schützenhilfe bekommt der Medienpionier ausgerechnet von Publizist Karl Lüönd (Ex-«Züri Woche»), mit dem er sich kürzlich in der Radiosendung «Doppelpunkt» wegen dessen Auftragsarbeit für die Ems-Chemie in die Haare geriet. «Wenn Radio 24 in ausländischen Besitz gerät, kann dies problematisch sein», sagt Lüönd. Er denkt dabei an eine Einflussnahme auf das Programm. Deutsche Privatsender setzen denn auch auf viel Musik und Hörerspiele, aber weniger auf Information.

Das ist auch dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) bewusst. Es müsste einen Besitzerwechsel erst noch gutheissen. Erstmals äussert sich Bakom-Direktor Martin Dumermuth. Er sagt: «Es ist uns ein Anliegen, dass ein allfälliger neuer Besitzer eine publizistische Sensibilität besitzt und Information nicht als Pflichtübung ansieht. Der Leistungsauftrag ist klar vorgegeben und muss auch künftig erfüllt werden.» Ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Adresse der Tamedia-Manager.

An der Werdstrasse bemüht sich Sprecherin Gräser, einen Verkauf ins Ausland als nur eine der Optionen darzustellen: «Letztlich entscheidend für einen Verkauf sind die definierten Kriterien, nicht die Herkunft der Interessenten.» In den bisherigen Verhandlungen stand jedoch vor allem eines dieser Kriterien klar im Zentrum: der Kaufpreis. «Überzeugend» müsse dieser sein, so Gräser.

Wieder im Rennen ist auch der Basler Medienanwalt Martin Wagner, wie er bestätigt: «Radio 24 ist für mich ein Thema, aber ich werde mich nur engagieren, wenn es kommerziell aufgeht.» Wagner hatte mit seiner Escor-Gruppe für alle vier Sender höchstens 20 Millionen zahlen wollen. Tamedia-CEO Martin Kall will dagegen allein für Radio24 die stolze Summe von 30 Millionen Franken.

Nach dem Verkauf von TeleZüri und TeleBärn an die AZ Medien, zu denen auch «Der Sonntag» gehört, sollen bis Ende Jahr Radio24 und FM Capital folgen. Noch nennt es Gräser «die Prüfung der Verkäufe». Es wäre aber keine Überraschung, wenn ein ausländischer Investor den Zuschlag bekommen sollte.

Das weckt bei Radio-24-Gründer Schawinski den Kampfesgeist, wie er ihn am 26. Januar 1980 auf dem Zürcher Bürkliplatz an den Tag legte. Damals sprach er vor rund 3000 Personen, die gegen die Stilllegung der Sendeanlagen in Italien protestierten. Heute sagt er: «Ich bin bereit, mich mit all meinen Möglichkeiten zu engagieren, damit Radio 24 nicht in falsche Hände gerät.»

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