VON LUKAS FÜGLISTER

Am Donnerstag hat die Walliser Regierung entschieden, den Wolf, der im Chablais diesen Sommer bereits 43 Schafe getötet hat, nicht zum Abschuss freizugeben. Begründung: Die Halter hätten zu wenig für den Schutz der Schafe getan. «Das macht mich wütend. Dieser Wolf muss sterben», sagt German Schmutz, Präsident des Schweizerischen Schafzuchtverbandes (SZV).

Er kann nicht verstehen, wieso sich der Bund so stark mit seinem Wolfskonzept für die Rückkehr dieses Raubtiers engagiert. Der Bund vergütet vom Wolf getötete Schafe und finanziert Herdenschutzmassnahmen wie Hirtenhunde.

«Der Wolf geniesst in der Schweiz einen besseren Schutz als der Mensch», enerviert sich Schmutz. Die Schafzucht erfordere viel Herzblut: «Wegen des Geldes allein hält niemand Schafe. Wenn ein Schafhalter dann miterleben muss, wie ein Wolf seine Tiere auf qualvolle Weise tötet, bricht es ihm das Herz.»

Die Folge: Viele geben die Zucht auf, Alpen würden verlassen. «Bald werden 50 Prozent der Alpen verwildern – und damit auch für Wanderer unzugänglich werden.»

Doch der Wolf erobert nicht nur die Alpen zurück – unaufhaltsam nähert er sich auch dem Mittelland: Nach 204 Jahren tauchte er dieses Jahr erstmals wieder im Kanton Luzern auf. Letzte Woche riss einer im Entlebuch 10 Schafe. Anfang März wagte sich eines der Raubtiere sogar in Stadtnähe: Ein Wolf tötete in Kriens zwei Schafe – und konnte von einer Fotofalle fotografiert werden.

Für den beim Bundesamt für Umwelt zuständigen Sektionschef Reinhard Schnidrig ist klar, dass der Wolf weiter auf dem Vormarsch ist: «Über kurz oder lang wird der Wolf auch im Jura auftauchen. Für die Schafhalter gibt es deshalb keine Alternative zum Herdenschutz.»

Im Mittelland werde der Wolf zwar kaum heimisch werden. «Mit durchziehenden Einzeltieren muss aber in Zukunft gerechnet werden.» Auch werde es bald erste kleine Familienrudel geben.

Davor graut Schmutz vom SZV: «Im Mittelland gibt es kleine Herden mit nur wenigen Tieren. Die können unmöglich alle geschützt werden.» Er fordert, den Schutz der Schafe endlich höher zu gewichten als denjenigen der Wölfe. «Wir wollen beim Wolfskonzept endlich mitreden.

Ansonsten könnte es passieren, dass ein betroffener Schafhalter ausrastet. Dann könnten auch Personen zu Schaden kommen.»