Ein Überblick der Studiengebühren an Schweizer Universitäten zeigt markante Unterschiede. Seit 2002 sind nicht nur die Gebühren an 10 von 12 Universitäten angestiegen, sie wurden auch immer ungleicher. Am billigsten war 2002 die Universität Genf mit 500 Franken. Am teuersten war St. Gallen mit 807 Franken, wenn man den Spezialfall Lugano weglässt. Das war vor zehn Jahren ein Unterschied von 61 Prozent. Heute sind es 145 Prozent. Für Ausländer beträgt die Differenz zwischen Genf und St. Gallen sogar 325 Prozent.

Die Kantone legen in der Schweiz die Studiengebühren im Alleingang fest. Wenn aber die Erhöhung von Studiengebühren nicht koordiniert wird, kann das die Chancengleichheit für Studenten gefährden. Das zeigt die Studie «Sozialverträgliche Studiengebühren» der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) aus dem Jahr 2011.

Der Autor untersuchte, ob eine Erhöhung um bis zu 1500 Franken im Semester noch sozialverträglich sei. «Sozialverträglich» heisst, dass tiefe Einkommen nicht benachteiligt werden und der Mittelstand nicht zu stark belastet wird. Problematisch können laut der Studie bereits Gebühren von 1250 Franken im Semester sein. Im Vergleich zu einer Gebühr von 750 Franken könne dieser Betrag «zu finanziellen Schwierigkeiten bei den Familien der Studierenden» führen und «der chancengerechte Bildungszugang» wäre nicht mehr sichergestellt.

Zum Beispiel St. Gallen. Hier zahlen Studenten heute 1226 Franken. Im Rahmen eines Sparpakets ist aber eine weitere Erhöhung bereits geplant: pro Semester um 200 bis 400 Franken für Masterstudierende, um 1000 bis 1500 Franken für Ausländer und um 1450 bis 2400 für Langzeitstudenten. Somit betrüge die Erhöhung für Masterstudenten gegenüber dem Durchschnittsbetrag von 750 Franken im Semester bis zu 876 Franken – der Autor bezeichnete schon 500 Franken als nicht mehr «sozialverträglich».

Denn eine «markante Erhöhung» müsse laut der Studie «von grundsätzlichen Anpassungen des Gebühren- resp. Stipendiensystems» begleitet werden. Kantone müssten ihr Vorgehen koordinieren und flankierende Massnahmen ergreifen. Im Rahmen des Sparpakets II sind in St. Gallen aber keine zusätzlichen Stipendien vorgesehen. Ein koordiniertes Vorgehen der Kantone existiert nicht. Das bestätigt Susanne Hardmeier von der EDK: «Bei der EDK sind Studiengebühren zurzeit kein Thema».

Eine Obergrenze für Studiengebühren gibt es nicht. Allerdings existiert ein Mechanismus, der eine zu starke Erhöhung für die Universitätskantone unattraktiv macht. In der Interkantonalen Unitätsvereinbarung (IUV) sind Ausgleichsbeiträge definiert, welche die Heimatkantone der Studenten bezahlen müssen, falls sie ausserhalb des Kantons studieren. So zahlt beispielsweise der Kanton Thurgau für jeden Studenten an der Universität St. Gallen 10 090 Franken jährlich. Dieser Beitrag kann gekürzt werden, falls die Studiengebühren eine «angemessene Höchstgrenze» überschreiten. Im Jahr 2000 hat die zuständige Kommission den Betrag auf 1224 Franken im Semester festgelegt.

In St. Gallen zahlen die Studenten heute 1226 Franken im Semester, 2 Franken mehr als das, was die Kommission der EDK als «angemessen» definierte. Ob und um wie viel die Beiträge bei einer weiteren Erhöhung gekürzt würden, ist unklar. Es gibt keine Präzedenzfälle.

Für ausländische Studierende gelten diese Regelungen nicht. Die Herkunftsländer zahlen zurzeit auch keine Beiträge an die Studienkosten.

Im Vergleich zu den Gebühren der höheren Berufsbildung kommen die Studenten aber immer noch gut weg. Vor allem für Wirtschaftskreise sollten die Gebühren weiterhin in nur eine Richtung gehen: nach oben. «Im Vergleich zu den höheren Fachschulen sind die Gebühren tief», sagt Philipp Bauer, Projektleiter Bildung bei der Economiesuisse. Man dürfe sich schon fragen, warum Universitätsstudenten, die oft aus bildungsnahem Elternhaus stammen, gegenüber den andern derart bevorzugt würden.

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