VON PETER BURKHARDT

Seit Mittwoch ist bei Emanuel Agustoni der Teufel los. Zusammen mit drei anderen Schweizer Bankern ist der Zürcher Vermögensverwalter in den USA wegen Beihilfe zur Steuerflucht angeklagt und zur Verhaftung ausgeschrieben worden. Von 2002 bis 2005 soll er als Berater der Credit Suisse US-Kunden geholfen haben, Steuern zu unterschlagen.

Agustoni wehrt sich energisch gegen den Vorwurf. Zum Gespräch mit dem «Sonntag» erscheint der FDP-Präsident von Urdorf und Wahlkampfleiter der FDP des Bezirks Dietikon im eleganten Anzug – und mit scharfem verbalen Geschütz im Gepäck. «Die Anschuldigungen sind absurd und an den Haaren herbeigezogen. Mit Steuergerechtigkeit und meiner Arbeit hat die Anklage nichts zu tun. Die Amerikaner machen nur Druck, um an Geld zu kommen und so ihre Schulden abzubauen. Aber ich lasse mich nicht erpressen.»

Besonders sauer aufgestossen ist Agustoni, dass er aus der Presse von der Anklage vernehmen musste. Die Anklageschrift hat er bislang nicht erhalten, und die US-Steuerbehörde hat ihn nie kontaktiert. «Es ist eine Frechheit, so mit Leuten umzuspringen.» Äusserlich bleibt Agustoni ruhig, aber im Innern des 50-Jährigen kocht es, und er setzt zu einer Tirade an: «Früher habe ich die USA geliebt, habe dort studiert und einen guten Teil meines Berufslebens verbracht. Aber mit der Liebe ist es vorbei. Die USA sind in vielen Bereichen kein Rechtsstaat mehr. Sie haben das Gefühl, ihre Gesetze gelten auf der ganzen Welt. Und dafür ist ihnen jedes Mittel recht.»

Agustoni wirft den USA vor, Beschuldigte mit Millionenklagen einzuschüchtern. Dann zieht er einen masslosen Vergleich herbei: «Die USA verhalten sich wie die Gestapo.» Diese war in Nazi-Deutschland einer der wichtigsten Pfeiler des staatlichen Terrors. Agustoni muss hingegen höchstens die Verhaftung befürchten, wenn er die Schweiz verlässt. Deshalb verzichtet er vorläufig auf Auslandsreisen. Den US-Behörden stehe er jederzeit Red und Antwort. «Aber nur in der Schweiz.»

In der Anklageschrift wird Agustoni beschuldigt, er habe für US-Bürger geheime Konti bei der Credit Suisse und anderen Banken eingerichtet. Zu diesem Zweck soll er in die USA gereist sein, um ihnen bei der Bewirtschaftung der Konti zu helfen. Auch soll er US-Kunden zu Reisen auf die Bahamas und in die Schweiz veranlasst haben, um dort mit ihnen geheime Bankgeschäfte zu betreiben. Nachdem er die Bank 2005 verlassen habe, habe er das Steuerbetrugsschema bei zwei weiteren Schweizer Privatbanken fortgesetzt.

«Blödsinn», sagt der Angeklagte. Von Steuerbetrug könne keine Rede sein. Er habe in den USA lediglich Kunden zu Gesprächen getroffen, aber nie aktiv um neue Kunden geworben. Deshalb könne er das US-Steuergesetz gar nicht verletzt haben. «Es ist nicht verboten, Kunden zu treffen.» Neukunden habe er nur von Zürich aus akquiriert, und hier gelte Schweizer Recht. «Ich habe mich immer ans Steuergesetz der Schweiz und an die Abkommen mit den USA gehalten.»

Agustoni räumt jedoch ein, dass er gar nicht genau wissen wollte, ob er Steuerflüchtlinge betreute: «Es interessierte mich nicht, ob die Kunden ihre Gelder versteuert haben. Diese Frage stellte sich für mich gar nicht. Ich kann nicht die Steuererklärung des Kunden kontrollieren.»

Auf die Frage, ob Steuerhinterziehung legitim sei, offenbart der FDP-Politiker sein Staatsverständnis. «Steuerhinterziehung ist eine persönliche Gewissensfrage. Jeder muss es persönlich für sich beantworten, ob Steuerhinterziehung legitim ist.»


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