Das Parlament will gleichgeschlechtlichen Paaren erlauben, ihre Stiefkinder zu adoptieren. Justizministerin Simonetta Sommaruga plant, bis Ende Jahr im Rahmen der Teilrevision des Adoptionsrechts einen ersten Gesetzesentwurf vorzulegen. Doch bereits heute wappnen sich die konservativen Kreise und bereiten sich auf ein Referendum vor. «Je früher wir das Thema auf die politische Agenda setzen und Widerstand signalisieren, desto besser», sagt der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi.

Aeschi ist Mitglied des am 27. April in Bern neu gegründeten Komitees, welches das Referendum gegen die Stiefkind-Adoption für homosexuelle Paare ergreifen soll. Präsidiert wird das Komitee vom Vizepräsidenten der Jung SVP, Xavier Schwitzguébel (GE), sowie dem EDU-Präsidenten Hans Moser (SG). Nebst Aeschi sind die SVP-Nationalräte Andrea Geissbühler (BE) und Yves Nidegger (GE) dabei. Auch CVP-Bundesparlamentarier sollen sich angeschlossen haben, sagt der Generalsekretär des Komitees, der Jung-SVP-Politiker Marco Giglio (BE). Namen will er noch keine nennen. CVP-Nationalrat Yannick Buttet (VS) jedenfalls signalisiert gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sein Interesse.

Die Argumente der Gegner gegen die Stiefkind-Adoptionen sind prinzipieller Natur: «Zwei Männer oder zwei Frauen können nun mal kein Kind zeugen», sagt Marco Giglio. «Die Familie Mann und Frau und Kind ist biologisch so gewollt.» Auch Geissbühler betont, dass «Kinder für ihre Entwicklung Vater und Mutter brauchen, schliesslich haben Eltern eine wichtige Vorbildfunktion.» Sie sei nicht gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, doch sobald Kinder involviert würden, «muss man Grenzen setzen und den Egoismus der Erwachsenen eindämmen».

Wie viele Kinder vom neuen Gesetz betroffen wären, ist unklar. Gemäss Angaben des Dachverbands Regenbogenfamilien wachsen heute in der Schweiz zwischen 6000 und 30 000 Kinder bei homosexuellen Paaren auf. Keine Schätzungen gibt es darüber, wie viele von ihnen die Kriterien der Stiefkind-Adoption erfüllen würden.

Den Mitgliedern des Referendumskomitees geht es aber nicht um Zahlen, sondern darum, jetzt einen Riegel zu schieben. Denn sie befürchten, dass die Stiefkind-Adoption nur der erste Schritt sei zu einem vollständig liberalisierten Adoptionsrecht ist. Nidegger prophezeit gar, dass dann auch das Recht über die künstliche Befruchtung gelockert werden könnte. «Der Durchschnittsbürger ist viel konservativer als diese intellektuellen Kreise, die ihre Visionen umsetzen und die Gesellschaft von oben herab verändern wollen», sagt Aeschi und verweist dabei auf das neue Namensrecht: «Die Frauen entscheiden sich trotz Wahlfreiheit für den Namen des Mannes.»

Heute dürfen homosexuelle Paare ihre Partnerschaft zwar eintragen lassen, aber keine Kinder adoptieren. Die Bevölkerung stimmte im Juni 2005 der entsprechenden Vorlage mit 58 Prozent zu. «Die aktuelle Lösung ist diskriminierend», betont SP-Ständerat Claude Janiak (BL). Dennoch hat er sich schon auf ein Referendum eingestellt. «Es gibt konservative Kreise in der Schweiz, die sich gegen gesellschaftliche Veränderungen wehren», sagt Janiak. «Aber es gibt Entscheidungen, die man nicht mehr rückgängig machen kann.»

Janiak rechnet nicht mit einer Zuspitzung der Situation und auch nicht mit Verhältnissen wie in Frankreich, wo in jüngster Zeit Massen auf der Strasse gegen die gleichgeschlechtliche Partnerschaft demonstriert haben – und wo homosexuelle Paare grundlos attackiert und zusammengeschlagen wurden. «In Frankreich hat das noch andere Gründe», sagt Janiak. «Dort kumuliert sich das Protestpotenzial mit der generellen Unzufriedenheit mit der Regierung.»

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