VON NADJA PASTEGA

Das Initiativkomitee der Anti-Minarett-Initiative zündet im Abstimmungskampf die nächste Stufe: Heute wird ein Online-Spiel aufgeschaltet, das auf Minarette zielt.

Zu Beginn des Spiels wird eine friedliche Landschaft gezeigt. Dann schiessen unzählige Minarette aus dem Boden und überziehen wie Speerspitzen das Land. Der Spieler muss auf die Gebetstürme zielen – jeder Treffer bringt ein Minarett zum Verschwinden. Wenn man nicht trifft, kommt der Muezzin auf das Minarett, der zum Gebet ruft.

«Heute lancieren wir das Spiel», sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann, Präsident des Initiativkomitees. «Es ist online abrufbar und bekommt eine eigene Internetadresse.»

Entwickelt hat das Online-Game die Werbe- und PR-Firma Goal in Dübendorf – die Hausagentur der SVP, die bereits die umstrittenen Anti-Minarett-Plakate entwarf.

Mit dem Computerspiel reagiert das Initiativkomitee auf den Wirbel, den diese Woche eine Lautsprecheranlage auf einem Minarett im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet bei Rheinfelden auslöste. Dort rief der Muezzin mit 30 Watt Verstärkung zum Gebet – was bis in die Schweiz zu hören war. Inzwischen wurden die Lautsprecher wieder abmontiert.

Das Computer-Game sorgt für Empörung. «Geschmacklos», kommentiert Saïda Keller-Messahli, Präsident des Forums für einen fortschrittlichen Islam: «Die Schamgrenze ist überschritten.» Offenbar heilige der Zweck jedes Mittel, entrüstet sich Hisham Maizar, Präsident der Föderation islamischer Dachverbände der Schweiz: «Den Initianten ist alles recht, um die Volksmeinung zu beeinflussen.» Das Spiel suggeriere, der Muezzin sei der nächste Schritt: «Auf Schweizer Minaretten gab es noch nie einen Muezzin und es wird auch keinen geben.»

Der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, der nicht zum Initiativkomitee gehört, unterstützt die Lancierung des Spiels: «Wenn die Ausübung der Meinungsäusserungsfreiheit mit Plakatverboten verhindert wird, muss man eben andere Wege finden», so Mörgeli: «Die elektronischen Kanäle bieten sich da geradezu an.»