Eine Umfrage bei den Veterinärbehörden in den Kantonen zeigt: Gegenüber 2011 haben die Hundebisse letztes Jahr um 9 Prozent zugenommen – von 3971 auf 4329. Die stärkste Zunahme verzeichnet der Kanton Solothurn mit plus 33 Prozent, den stärksten Rückgang mit 28 Prozent der Kanton Zug.

Experten gehen davon aus, dass die Zunahme mit der Sensibilisierung der Bevölkerung bei Hundebissen zusammenhängt. Die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel sieht noch weitere Gründe: «Die erhöhte Meldung ist auch eine Folge der verbesserten Meldedisziplin und Kontrollen bei der Ausbildungspflicht», sagt Vogel. Allerdings betrifft die Zunahme, die auch Bisse von Hunden untereinander beinhaltet, nur die gemeldeten schweren Fälle. Die Dunkelziffer ist gemäss den Versicherungen um einiges höher. Sie zahlen rund 3,3 Millionen Franken pro Jahr für Bissverletzungen.

Stark rückläufig sind die Zahlen von potenziell gefährlichen Hunden. Von 2008 bis 2012 haben sie um 2196 Tiere abgenommen. Der Rückgang von Kampfhunden ist eine Folge des Todes des türkischen Buben Süleyman. Dieser wurde vor sieben Jahren in Oberglatt ZH von Pitbulls zu Tode gebissen. Seither werden Halter von Kampf- und anderen gefährlichen Rassen vermehrt angefeindet. Zum Teil wurden die Hunde weggegeben oder nach ihrem Tod nicht mehr ersetzt. Am stärksten vom Rückgang betroffen sind die Hunderassen Rottweiler, Dobermann und Pitbulls. Das ergibt eine Statistik des Animal Identity Services (Anis).

Warum gibt es trotz weniger Kampfhunden mehr Bissvorfälle? Die Erklärung: In der Schweiz leben rund 475 000 Hunde. Dabei machen die aktuell registrierten 10 159 potenziell gefährlichen Tiere nur einen kleinen Prozentsatz aus. Zubeissen können aber alle Hunde – nur sind bei den Kampf- und anderen gefährlichen Hunden die Verletzungen gravierender.

Das lässt sich am Beispiel Luzern zeigen: «Im Jahr 2012 mussten wegen gravierender oder wiederholter schwerer Beissvorfälle 17 Hunde eingeschläfert werden», sagt Kantonstierärztin Ursula Horisberger. Betroffen von schweren Bissen sind nach wie vor die Pöstler. 2012 wurden 109 von ihnen gebissen, davon waren 13 schwere Fälle – eine leichte Zunahme gegenüber 2011.

Beim Thema Hundebisse blieb der Nationalrat untätig. Er lehnte 2010 ein nationales Hundegesetz ab. Zwölf Kantone kennen Rasselisten, allerdings unterschiedliche. Im Aargau sind es sechs, die nur mit einer Bewilligung gehalten werden dürfen. Insgesamt sind 780 Hunde davon betroffen und registriert. Im Kanton Tessin umfasst die Bewilligungspflicht 19 Hunderassen. Die Kantone Zürich, Wallis, Genf und Fribourg haben sogar Verbote von Hunderassen eingeführt.

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