VON BEAT SCHMID

Die Bonussumme, welche die Bank ihren 65 000 Mitarbeitern auszahlt, beträgt für das vergangene Jahr 4,3 Milliarden Franken. Bisher lagen die Schätzungen über die Höhe des Bonuspools bei 4 Milliarden Franken. Beobachter gingen davon aus, dass die UBS den Bonustopf um etwa 15 Prozent vergrössern würde. Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger äusserte sich in einem «NZZ»-Interview von letzter Woche noch in diese Richtung.

Der Markt bezahle «für die besten Leute mindestens gleich hohe, wenn nicht sogar höhere Preise als im Vorjahr», und die UBS sei «in der Bezahlung nicht immer konkurrenzfähig». Man interpretierte diese Aussagen als verstecke Ankündigung für höhere Boni.

Das ist falsch. Wie «Der Sonntag» erfahren hat, kürzt die UBS den Pool in diesem Jahr um 10 Prozent. Letztes Jahr lag die Höhe der gesamthaft ausgeschütteten leistungsabhängigen Lohnkomponenten bei 4,8 Milliarden Franken. Damit schüttet CEO Oswald Grübel im Vergleich zum letzten Jahr also 500 Millionen Franken weniger an die Mitarbeiter aus. Ein Grund, warum der UBS-Chef die Boni senken kann, ist die Erhöhung der Fixlöhne im vergangenen Jahr. Die UBS tat es Konkurrenten gleich und erhöhte die Grundlöhne um 10 bis 20 Prozent.

Die Grossbank zahlt pro Mitarbeiter somit einen durchschnittlichen Bonus von 66 150 Franken. Letztes Jahr lag dieser Wert bei über 73 800 Franken. Doch die Bonusschwankungen innerhalb der Belegschaft sind riesig. Sie reichen von wenigen Tausenden bis mehrere Millionen Franken. Manche Mitarbeiter dürften gar keine variable Vergütung bekommen, da ihre Leistungen schlecht beurteilt wurden.

Andere wiederum erhalten mehr als im letzten Jahr, dazu gehören Investmentbanker in London und in den USA. Ein Kadermitarbeiter im Range eines Managing Director kommt an der Themse auf eine Gesamtentschädigung von 500 000 Franken. Auch talentierte Privatebanker in der Schweiz können auf etwa 15 Prozent höhere Boni hoffen.

Der Bonus setzt sich aus Cash- und Aktien-Anteilen zusammen und ist teilweise jahrelang gesperrt. Im Allgemeinen bekommen Mitarbeiter auf einer tiefen Hierarchiestufe einen hohen Cash-Anteil, der sofort verfügbar ist. Der Bonus hat so den Charakter eines 13. Monatslohns. Den hatte die Bank Ende der 90er- Jahre abgeschafft beziehungsweise damals in das Grundsalär integriert.

Höhere Bankkader und Spitzenbanker ohne Führungsaufgaben wie Privatkundenberater oder Händler bekommen einen Mix aus Aktien und Cash zugeteilt. Davon wird ein Teil sofort ausbezahlt. Ein anderer Teil wird während mindestens drei Jahren gesperrt. Die Mitarbeiter müssen ihre guten Leistungen in den folgenden Jahren unter Beweis stellen. Scheitern sie, verlieren sie einen Teil ihres Bonus. Diese Maluskomponente (auch Clawback genannt) verlangt die Finanzmarktaufsicht (Finma) im neuen Vergütungsreglement. Dieses müssen die Grossbanken dieses Jahr definitiv umsetzen.

Der aufgeschobene oder gesperrte Anteil des Bonuspools hat Einfluss auf die Jahresrechnung. Wenn die UBS den Bonus Anfang März an die Mitarbeiter verteilt, wird nicht der gesamte Bonustopf von 4,3 Milliarden Franken auf einmal geleert. Die Finma verlangt, dass ein «bedeutender Teil» einbehalten wird. Weil dieser Anteil nicht sofort zur Auszahlung kommt, wird er nicht der Jahresrechnung 2010 belastet. Die Höhe dieses Anteils ist unbekannt. Die UBS gibt am Dienstag weitere Details bekannt, wenn sie die Geschäftszahlen veröffentlicht.

Es ist davon auszugehen, dass er etwa im gleichen Bereich liegt wie vor einem Jahr, als die sofort ausbezahlten Boni 2,9 Milliarden Franken betrugen. Die Finma hatte diesen Anteil nach heftigen Auseinandersetzungen um eine Milliarde gedrückt. Fürs Jahr 2008 zahlte die UBS rund 2,2 Milliarden Franken aus – aufgeschobene Anteile gab es kaum. Es ging ein heftiger Aufschrei durchs Land, weil die UBS kurz zuvor vom Staat gerettet werden musste. Der damalige CEO Marcel Rohner und Präsident Peter Kurer traten kurz darauf zurück.

Wie am Freitag bekannt wurde, verschiebt die UBS die Bekanntgabe und die Auszahlung des individuellen Bonus um eine Woche. Die Gründe seien technischer Natur. Doch wie man aus dem Innern der Bank hört, ist die UBS-Spitze immer noch mit der Verteilung des Bonustopfs beschäftigt. Es gehe darum, vor allem jene Mitarbeiter möglichst gut zu honorieren, die besonders wichtig fürs Unternehmen sind.

Mit der Verschiebung erreicht die Bankspitze um CEO Oswald Grübel zudem, dass Mitarbeiter, welche die Bank verlassen wollen, ihre Kündigung um einen Monat hinauszögern. Wenn Banker die Stelle wechseln, tun sie das erst nach Überweisung des Bonus. In gekündigter Stellung geht der Anspruch auf Bonus verloren.

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