Die Power-Point-Präsentation hat es in sich. In ihr zeigt die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) im Detail auf, wie sie vorgehen will, um drei Kerngeschäfte der Armee durchzubringen: die Wehrpflicht, den Kampfjet Gripen und die Mittel von fünf Milliarden pro Jahr.

«Bildung Generalsekretariat und neuer Kommunikations- und Marketingauftritt» heisst der erste Punkt des «Massnahmenplans 2013». Der zweite: «Starke Einbindung in die Kampagne gegen die GSoA-Initiative». Als Drittes wird die «Vorbereitung der Kampagne zum Spezialfonds Gripen» aufgeführt. Der vierte Punkt wird mit «Entscheid über ein Referendum oder eine SOG-Volksinitiative» umschrieben. Dabei geht es um die Weiterentwicklung der Armee. Und als fünften Punkt thematisiert die SOG die Finanzen: «Alimentierung der Stiftung der Offiziere der Schweizer Armee».

Es war Divisionär Andreas Bölsterli, Kommandant der Ter Reg 2, der die Präsentation der SOG in der Kaserne Stans-Oberdorf am internen Anschlagbrett aufhängte. «Im nicht allgemein zugänglichen Bereich der Kaserne», wie Armeesprecher Walter Frik betont. «Im Sinne der sachlichen Information über die bevorstehende Abstimmung.»

Von dort fand die Präsentation den Weg in die Öffentlichkeit. Ein GAU für jeden Kommunikationsexperten. Das sagen auch beunruhigte Insider im Umfeld des VBS. Zwar taxiert Jo Lang, Mitglied der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, den Aushang selbst als «illegal». Im Gegensatz zur Armee. Die Argumente seien «ohne Würdigung oder Qualifizierung» dargestellt worden, sagt Frik. «Die Bestimmungen des Dienstreglements werden dadurch nicht verletzt.»

Bei der GSoA reibt man sich vor allem über den Inhalt die Hände. «Jetzt liegt für uns die Strategie der SOG offen», sagt Lang. «Wir werden sie genauestens analysieren.» Die Präsentation zeigt, wie gut vernetzt die SOG vorgeht. Im Zentrum der Wehrpflicht-Kampagne steht der Verein für eine sichere Schweiz. Ihm gehören SOG, weitere Milizorganisationen und die Schützen des Schiesssportverbands (SSV) an.

Es ist Brigadier a.D. Hans-Peter Wüthrich, der die Kampagne leitet. Damit ist die enge Vernetzung mit dem Bereich Verteidigung des VBS, der Armee, gewährleistet. Der ehemalige Kommandant der Infanteriebrigade 7 war 2012 in die Schlagzeilen geraten, weil er sich 2009 hatte frühpensionieren lassen und damit rund 200 000 Franken Rente pro Jahr kassiert. Parallel dazu hatte er die «Hans-Peter Wüthrich Education GmbH» gegründet. Einer von Wüthrichs ersten Kunden: ausgerechnet die Armee selbst.

Bei der Armee betont man, Wüthrich sei von den Milizverbänden engagiert worden und arbeite in deren Auftrag. Denis Froidevaux, SOG-Präsident und Vizepräsident des Vereins für eine sichere Schweiz, bestätigt das.

Wie eng die Vernetzung mit der Armee dennoch ist, deutet ein Satz in der Präsentation zu den Vorleistungen 2012 an: «Die Truppe wird durch die Stufe V (Armee) laufend orientiert.» Dazu müsse die Armee Stellung nehmen, sagt Froidevaux. Was erstaunt: Die Präsentation stammt von der SOG selbst. Die Truppe werde durch höhere Stabsoffiziere und Schulkommandanten «im Standardreferat der Armee unter anderem über Wehrpflicht- und Milizsystem informiert», sagt Frik. Die Wehrpflichtkampagne der SOG werde nicht thematisiert.

Frik bestreitet eine enge Zusammenarbeit. «Nein, es gibt keine Vernetzung durch den Bereich Verteidigung mit der SOG oder dem Verein für eine sichere Schweiz», sagt er. Jeder zivile oder militärische Mitarbeiter der Armee habe jedoch das Recht, sich privat in einer der beiden Organisationen zu engagieren. Er müsse aber die Haltung von Bundesrat und Parlament vertreten. Froidevaux hält fest: «Die SOG ist völlig unpolitisch, wir erhalten kein Geld vom VBS und haben keine hierarchischen Verbindungen mit dem VBS. Wir machen keine Propaganda in der Armee und bei der Truppe.»

Das beurteilt Lang anders. Er fühlt sich an 1993 erinnert, als Kaspar Villiger alle Register zog, um den Kampf um die F/A-18 zu gewinnen. «Auch diesmal gibt es eine Vernetzung zwischen VBS, Abstimmungs-Komitee, SOG und Armee.» Dass es für die Armee um viel geht, bestätigt Froidevaux. Bei der Wehrpflicht um nichts weniger als eine «Staatsfrage»: «Die Initiative ist sehr, sehr gefährlich für unser Land, weil sie die Schweizer Sicherheits-Architektur gefährdet.»

Neben Wehrpflicht sind auch Gripen und Weiterentwicklung der Armee Teil der SOG-Strategie. Sie will das Referendum ergreifen oder eine Initiative starten, wenn zwei Bedingungen nicht erfüllt sind: «Die Armee muss mindestens fünf Milliarden pro Jahr erhalten und sie umfasst 100 000 Mann.» Ein Steilpass für die GSoA, glaubt man dort. Eine SOG-Initiative sei «hoch riskant». Für den Fall eines Referendums arbeitet die GSoA an einem Konter. «Die Versuchung ist damit für uns sehr gross», sagt Lang, «ebenfalls das Referendum zu ergreifen.»

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