Die Liste 2012 der Eidgenössischen Oberzolldirektion ist seitenlang. Sie deckt auf: Die Schweiz hat letztes Jahr Waffen im Wert von 152 Millionen Franken gekauft. 89 Millionen davon für den Privatgebrauch, 63 Millionen als Kriegsmaterial. Das ist ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit rüstet sich die Schweiz, die nach den USA und Jemen auf Platz drei der Länder mit der höchsten Waffendichte liegt, weiter auf. Die Zunahme wird mit der hohen Schützen- und Jagdkultur in unserem Land begründet. Aber auch mit der zunehmenden Angst vor der Kriminalität – insbesondere bei Einbrüchen.

Wie sich die Schweizer mit Waffen eindecken , zeigen folgende Beispiele. Gekauft wurden:
> für 5,8 Millionen Franken Revolver und Pistolen,
> für 8,3 Millionen Jagd- und Sportgewehre,
> für 3,8 Millionen Feder-, Luft-, Gasdruckgewehre und Pistolen,
> für 7 Millionen Teile und Zubehör für Revolver , Gewehre usw.,
> für 18 Millionen Patronen, Geschosse und Teile dazu,
> für 1,8 Millionen Bomben, Granaten, Minen und Raketen,
> für 1,4 Millionen Säbel, Degen, Bajonette und Lanzen.

Da die Oberzolldirektion die Waffen in Kilos auflistet, ist nicht ersichtlich, wie viele Exemplare alleine an Pistolen und Gewehren eingeführt wurden. Ebenfalls nicht ersichtlich ist, wer die Waffen importiert und verkauft. Könnte es sein, dass Schweizer Sicherheitsleute Schusswaffen aus Israel oder der Tschechischen Republik auf sich tragen? Immerhin wurden aus diesen beiden Ländern Revolver und Pistolen im Wert von über 390 000 Franken importiert.

Ersichtlich sind aber die Länder, aus denen die Waffen stammen. Dabei fällt auf, dass man im Gegensatz zu den Exporten, wo keine Waffen an kriegsführende oder die Menschenrechte missachtende Staaten geliefert werden, bei den Importen wenig Skrupel kennt.

Auf der Liste der Oberzolldirektion finden sich unter anderem Länder wie Aserbaidschan, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (Patronenimporte). Oder China, Indien und die Republik Moldau (Zubehör für Revolver und andere Pistolen). Weiter auf der Liste zu finden: Pakistan, Oman, Nepal und Kambodscha (Säbel, Degen, Lanzen usw.). Bei den Jagd- und Sportgewehren sowie Teilen und Zubehör für Waffen findet man Pakistan, Russland, Serbien, Jordanien und die Republik Moldau. Auch wenn diese Länder zum Teil nur kleine Mengen an Waffen in die Schweiz liefern, ist deren Herkunft politisch pikant.

Absolute Intransparenz besteht bei den Importen von Kriegsmaterial, die unter «vertrauliche Transaktionen» 63 Millionen Franken der Waffeneinkäufe ausmachen. Dies ist ein Plus von 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aufgelistet werden zwar die Länder, nicht aber, was für Kriegsgeräte diese liefern.

«Der Sonntag» konnte in Erfahrung bringen, dass unter die Rubrik «Einfuhr getarnt» unter anderem Kanonen, Haubitzen, Mörser, Raketen- und Granatwerfer, Maschinenpistolen sowie Revolver und Pistolen aufgeführt sind. So bleibt geheim, welche Waffensysteme davon möglicherweise aus China, Israel, Südafrika oder einem anderen Land stammen.

Begründet werden die getarnten Einfuhren mit dem Schutz der nationalen Sicherheit (Art. 16: Veröffentlichung von Ergebnissen und statistischen Dienstleistungen). Bei den Kriegsmaterial-Ex-porten, die diesen Dienstag veröffentlicht werden, gilt die Geheimnistuerei nicht. Dort wird detailliert aufgeführt, welche Kriegswaffen in welche Länder exportiert werden.

Sollte die Schweiz den Kampfjet Gripen kaufen, wird man ihn übrigens vergeblich auf der Liste der Kriegswaffenimporte suchen. Die Oberzolldirektion teilt dazu mit: «Die Verbuchung von Kriegsflugzeugen wird beim Import mit anderen Flugzeugen in der Position 8802 des Schweizer Zolltarifs verbucht.»

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