VON PATRIK MÜLLER

Der beste Tennisspieler aller Zeiten im Zivilschutzgwändli? Als 2003 auskam, dass Roger Federer fürs Militär dienstuntauglich geschrieben wurde, kündigte Verteidigungsminister Samuel Schmid an, Federer werde stattdessen Zivilschutz leisten – wie jeder andere dienstuntaugliche Schweizer.

Federers Mutter Lynette sagte damals ebenfalls: «Mein Sohn wird selbstverständlich in den Zivilschutz gehen.» Vorgesehen war, dass Federer den 5-tägigen Kurs «Allgemeine Grundausbildung» besucht und danach einen ebenfalls fünftägigen Kurs, in dem er zum J+S-Sportleiter ausgebildet worden wäre.

Doch der gigantische Erfolg des Tennisstars in den folgenden Jahren – er holte am vergangenen Sonntag in Wimbledon den 15. Grand-Slam-Titel – verunmöglichte diese Absicht. Martin Halbeisen, Leiter Zivilschutz im Kanton Basel-Land, in dem Federer bis Mai 2008 wohnte, sagt: «Roger Federers Terminplan ist so voll, dass es unmöglich war, ihn aufzubieten.

Wir haben mit ihm vereinbart, dass wir später auf ihn zurückkommen, wenn sich seine Situation geändert hat.» Grundsätzlich gilt die Zivilschutz-Dienstpflicht bis zum 40. Altersjahr, so lange dürfte die Karriere ja nicht dauern, so die Annahme der Baselbieter Behörden.

Dann zog Federer in den Kanton Schwyz. «Er wurde am 21. Mai 2008 bei uns angemeldet», sagt Franz Heinzer vom Schwyzer Amt für Militär und Zivilschutz. Da war Federer bereits 26-jährig. «Eine Ausbildung in diesem Alter lohnt sich nicht mehr, deshalb verzichteten wir aus Kostengründen darauf», begründet Heinzer gegenüber dem «Sonntag».

Er betont aber, Federer zahle ganz normal seine Wehrpflicht-Ersatzsteuer, «das ist relativ viel». In der Tat: Wer keine Diensttage geleistet hat, muss 3 Prozent seines steuerbaren Einkommens abliefern. Das gilt auch für Superstar Federer. Eine finanzielle Obergrenze gibt es nicht – und es sind auch keine «Steuerdeals» möglich, wie die Eidgenössische Steuerverwaltung bestätigt.

Rund 35 Millionen Franken soll Federer pro Jahr verdienen, berichtete das US-Magazin «Forbes» – noch bevor er wieder zur Welt-Nummer 1 wurde. Angenommen, er versteuert im Kanton Schwyz 15 Millionen, müsste er jährlich 450 000 Franken Wehrpflicht-Ersatzsteuer abliefern.

Federer ist mit Sicherheit der lukrativste «Dienstuntaugliche» der Schweiz. Mit jedem geleisteten Zivilschutztag würde sich die Ersatzsteuer um 4 Prozent reduzieren – bei Federer also um stolze 18 000 Franken. Und Federer muss noch zwei weitere Jahre, bis zu seinem 30. Altersjahr, Ersatzsteuern zahlen.

Es hagelte Proteste aus konservativen Militärkreisen, als vor sechs Jahren publik wurde, dass Federer militärdienstuntauglich erklärt wurde. Von «Sonderbehandlung» war die Rede – offenbar hatten die Kritiker nicht mitbekommen, wie viel Federer als Botschafter für die Schweiz tat und weiter tut.

Im Fall des Zivilschutzes legt das Verteidigungsdepartement (VBS) von Bundesrat Ueli Maurer Wert darauf, dass Federer nicht in den Genuss einer Sonderregelung komme. «Das Vorgehen des Kantons Schwyz, Roger Federer in die Personalreserve einzuteilen und folglich nicht zur Schutzdienstleistung aufzubieten, entspricht den gesetzlichen Grundlagen», sagt VBS-Sprecher Sebastian Hueber.

Foto: Pierre Lahalle - L'Equipe - EQ Images