VON CLAUDIA MARINKA

Die Attacke eines Rottweilers vergangenen Sonntag auf einen vierjährigen Buben in Schaffhausen schockierte die Schweiz: Der 11 Monate alte Hund hatte Ali angefallen und ihn im Gesicht schwer verletzt.

Der Hund ist schon zwei Wochen vor der Attacke durch aggressives Verhalten aufgefallen: Bei der Polizei hat sich ein 48-jähriger Motorradfahrer gemeldet, dem der Rottweiler ans Bein wollte. Mittlerweile wurde das aggressive Tier eingeschläfert.

die noch unveröffentlichten Zahlen der Kantone zu Hundebissen auf Menschen im vergangenen Jahr zeigen, dass bei überdurchschnittlich vielen Hundeattacken Kinder die Opfer sind:

Im Kanton Zürich gab es 2008 insgesamt 564 Übergriffe auf Menschen. Eine interne Auswertung von Mai 2007 bis April 2009 zeigt zudem: In 12 Prozent der Vorfälle waren Kinder die Opfer.

Im Kanton Aargau registrierte die Kantonstierärztin im vergangenen Jahr 179 Hundebissfälle beim Menschen. In jedem sechsten Fall war ein Kind bis 16 Jahre betroffen. Im ersten Halbjahr 2009 gab es 72 Beissattacken – in mehr als jedem dritten Fall auf Kinder!

Im Kanton Luzern verzeichnet man 2008 insgesamt 292 Meldungen über Hundebisse und übermässig aggressive Hunde. 130 Meldungen gingen auf das Konto von Bissverletzungen. Allein 22 Kinder waren jünger als 12 Jahre – jedes fünfte Opfer war also ein Kind.

Im Kanton St. Gallen gab es im vergangenen Jahr 148 gemeldete Fälle – in jedem vierten Fall waren Kinder bis 15 Jahre die Opfer – in zehn Fällen waren gar Ein- bis Fünfjährige betroffen.

An den Beissunfällen sind meist Hunde vom Typ Bullterrier, Staffordshire Terrier, Rottweiler oder Dobermann beteiligt. «Tendenziell stellen wir fest, dass Hunderassen, denen man ein erhöhtes Gefahrenpotenzial zuschreibt, auch bei vielen Jugendlichen in Mode gekommen sind», sagt Erika Wunderlin, Kantonstierärztin im Kanton Aargau.

Es gäbe aber auch Personen mit einem falsch verstandenen Tierverständnis und ohne Erfahrung, die potenziell gefährliche Hunderassen halten. «Sie sind nicht in der Lage, diesen Hunden eine angemessene Erziehung und Führung zu geben», so Wunderlin.

Meistens passieren die Übergriffe von Hunden, welche die Kinder kennen. «Der grössere Teil von solchen Vorfällen geschieht im familiären Umfeld und im Bekanntenkreis», sagt Regula Vogel, Kantons-tierärztin in Zürich.

Doch die so genannten Kampfhunde sind in der Minderheit. Die zentrale Hunderegistrierungsstelle Anis zeigt: Unter den 25 am häufigsten registrierten Hunderassen findet sich nur der Rottweiler (Platz 18), dem man ein erhöhtes Gefahrenpotenzial zuspricht.

Laut der zentralen Hunderegistrierungsstelle sind die häufigsten drei Hunderassen in der Schweiz der Labrador, der Yorkshire Terrier und der deutsche Schäferhund.