VON SANDRO BROTZ UND NADJA PASTEGA

Bei Meteomedia, der Wetterfirma von Jörg Kachelmann, kommt es in aller Stille zu einer Änderung an der Führungsspitze – Verwaltungsrat Frank B. Werner verlässt das Unternehmen. Auslöser ist ein Machtkampf mit den beiden anderen Verwaltungsräten, Jörg Kachelmann und Norbert Steffen. Werner hat sein VR-Mandat per 1.Juli niedergelegt, wie er gegenüber dem «Sonntag» bestätigt. Die formelle Änderung im Handelsregister wird demnächst erfolgen.

Nach übereinstimmenden Berichten von Insidern kam es im Verwaltungsrat zu Streitigkeiten, was die künftige Rolle von Kachelmann betrifft. Werner wollte, dass der Wettermoderator von seinen Ämtern zurücktritt, um Schaden von der Firma fernzuhalten. Dazu gehören Kunden, die mit Blick auf Kachelmanns bizarres Privatleben kritische Fragen zur Zukunft von Meteomedia stellen. Kachelmanns Imperium – 120 Angestellte, Jahresumsatz von 20 Millionen Franken – ist in Gefahr. «Eine von mehreren Optionen wäre gewesen, dass Herr Kachelmann seine Aktien verkauft. Das wollte er nicht», sagt Werner.

Auch Kachelmanns Anwaltskosten sorgen für Zündstoff. Der TV-Moderator hat stets behauptet, seine Scheidung habe ihn ruiniert. Muss Meteomedia für die Anwaltshonorare aufkommen? Dieser Punkt hätte ebenfalls an der geplatzten VR-Sitzung im Gefängnis thematisiert werden sollen.

Kachelmann sollte zu einer Abtretungserklärung bewegt werden, wobei die Gewinne aus allfälligen Dividenden und Aktienverkäufen zur Begleichung der Anwälte verwendet würden. Das heisst: Nicht die Firma, sondern Kachelmann übernimmt die Kosten. Unklar ist, ob unterdessen eine solche Erklärung vorliegt. Werner hat seit Kachelmanns Haftentlassung keinen direkten Kontakt mit dem TV-Moderator – er korrespondiert nur noch über dessen Anwalt.

Die Anwaltskosten des Wettermoderators sind horrend. Er hat eine ganze Juristen-Armada angeheuert. In Deutschland stehen zwei Anwälte in seinen Diensten: Medienanwalt Ralf Höcker und Strafverteidiger Reinhard Birkenstock. Höcker verrechnet einen Tagesansatz von etwa 4000 Euro, Birkenstock von rund 5000 Euro. Das macht 9000 Euro – pro Tag. Beide Juristen beschäftigen zusätzlich nochmals je einen bis zwei Anwälte in ihren Kanzleien. Sie arbeiten in wechselnder Besetzung. Dazu kommen zwei Schweizer Anwälte: Martin Kurer und Tomas Poledna, die in Zürich eine Kanzlei besitzen. Ein Insider sagt, dass derzeit sieben Anwälte für Kachelmann tätig sind. Er geht, vorsichtig geschätzt, von bisherigen Anwaltskosten in der Höhe von 300000 Franken aus.

Ex-Verwaltungsrat Werner wollte verhindern, dass diese Kosten durch die Meteomedia finanziert werden. Er hatte vor, Gründer Kachelmann zu entfernen, doch der «Putsch» ist misslungen: Kachelmann ist in Freiheit und hat die relative Macht: Er hält 49 Prozent der Aktien von Meteomedia, Werner hatte knapp 40 Prozent, rund 4 Prozent ein Minderheitsaktionär. Das restliche Paket ist für Mitarbeiterbeteiligungen gedacht.

Derweil hat Kachelmanns Medienanwalt Höcker die mediale Abwehrschlacht intensiviert: Letzte Woche erwirkte er eine einstweilige Verfügung gegen das deutsche Magazin «Focus», wie der «Sonntag» aus gut informierten Kreisen weiss. Auch gegen Schweizer Zeitungen ist Kachelmann bereits vorgegangen: Die Verlage Ringier und Tamedia mussten eine Unterlassungsklage unterzeichnen. Darin wurde ihnen untersagt, seinen SMS-Verkehr mit einer angeblichen Geliebten und intime Schilderungen weiterzuverbreiten.

Es sind auch Vorgänge wie diese, die Verwaltungsrat Werner letztlich zu seinem Abgang bewogen haben: «Ich kann diese Politik nicht mittragen, den Kopf in den Sand zu stecken.»

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