Der Rahmen war standesgemäss für einen Wirtschaftszweig, der inzwischen die umsatzstärksten Konzerne des Landes stellt: Im Berner Nobelhotel Schweizerhof luden drei Rohstoffverbände am Montagabend Parlamentarier zum «Diner» mit anschliessendem «Gedankenaustausch». Thema des Abends: «Rohstoffhandel: Wohlstandsquelle für unser Land».

Die nächste Veranstaltung folgt bereits nächsten Dienstag. An einem «runden Tisch» in Bern sprechen Vertreter der Rohstoffbranche zu Parlamentariern über «Bedeutung und Herausforderungen» ihres Geschäfts. Dabei sind unter anderem die Leiter Nachhaltigkeit der beiden Zuger Giganten Glencore und Xstrata. Organisiert wird der Anlass von der Lobbyagentur Furrer Hugi & Partner.

Die Informationsoffensive der Rohstoffriesen ist ungewöhnlich. Über ihre zum Teil hochkomplexen Geschäfte kommunizieren die einzelnen Unternehmen, von denen sich viele im Privatbesitz befinden, nur sehr zurückhaltend. Es gibt nicht einmal gesicherte Angaben über die Anzahl Beschäftigten und die wirtschaftliche Bedeutung der Branche insgesamt. Das Diner dieser Woche war denn auch der erste offizielle Anlass, den die Branche für die Schweizer Parlamentarier organisierte.

Aus der Deckung getrieben haben die Rohstoffhändler die zunehmenden Rufe nach einer stärkeren Regulierung und der steigende Druck der EU auf die Steuerprivilegien internationaler Konzerne in der Schweiz. Organisationen wie die Erklärung von Bern haben zudem ein Licht auf dubiose Geschäftspraktiken vieler Firmen geworfen.

Nun will die Branche ihr Image verbessern. «Die öffentliche Wahrnehmung wird stark beeinflusst durch Vorwürfe von Nichtregierungsorganisationen», sagt Martin Fasser, Präsident der kürzlich gegründeten Branchenvereinigung Zug Commodity Association (ZCA). «Wir stellen fest, dass das Verständnis für die Mechanismen der Rohstoffbranche in Politik und Verwaltung oft fehlt und erst noch aufgebaut werden muss.»

An der Lobbyveranstaltung vom Montag unterstrichen die Spitzen von Handelsfirmen wie der Genfer Mercuria Energy Group, dass sie nicht nur für Steuereinnahmen sorgten, sondern auch vermehrt in die Ausbildung in der Schweiz investierten. Doch einigen Besuchern des Anlasses gingen die Bemühungen der Branche zu weit. Firmenvertreter hätten «unverhohlen und in einer seltenen Dreistigkeit» mit dem Wegzug aus der Schweiz gedroht, falls die Steuern steigen sollten, sagt die Nationalrätin Jacqueline Badran (SP/ZH): «Ich will mich aber nicht erpressen lassen.»

Rohstofflobbyist Fasser will nicht von Wegzugdrohungen sprechen. Es habe sich um einen «Hilferuf an die Politiker» gehandelt. «Wir haben die Parlamentarier darauf hingewiesen, dass in der Branche derzeit eine ungewohnt grosse Unsicherheit herrscht», sagt Fasser. «Es ist eine Tatsache, dass andere Standorte ein grosses Interesse am Steuersubstrat der Rohstoffkonzerne haben und sich in der Schweiz aktiv um Unternehmen bemühen.

Die Botschaft, die mehrere Branchenvertreter im Gespräch äussern, ist klar: Falls die Steuerprivilegien wegfallen, sollen Bund und Kantone den Unternehmen entgegenkommen – ansonsten lockten Standorte wie Singapur oder Malaysia. Bei vielen Parlamentariern dringen sie damit durch: Falls der Finanzplatz schrumpfe, biete die Rohstoffbranche eine Möglichkeit, den Wegfall von Steuersubstrat und Arbeitsplätzen zu kompensieren, sagt Nationalrat Maximilian Reimann (SVP/AG).

Um das Branchenlobbying zu verstärken, bestehen seit kurzem drei regionale Verbände. Die Unternehmen in der Region Genf, einem der weltgrössten Handelsplätze für Erdöl und Gas, haben sich im 2006 gegründeten Genfer Verband für Rohstoffhandel und Schiffstransport (GTSA) zusammengeschlossen. 2010 kam ein ähnlicher Verband in Lugano hinzu.

Im Juni dieses Jahres formierte sich schliesslich in Zug, wo sich vor allem Mineralienhändler konzentrieren, die ZCA mit derzeit 26 Mitgliedern. Glencore und Xstrata gehören nicht dazu. Geplant ist, die Aktivitäten der Verbände auf nationaler Ebene zusammenzuführen.

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