VON OTHMAR VON MATT UND FLORENCE VUICHARD

Bisher als einzige Bundesratskandidatin hat Jacqueline Fehr Einkommen und Vermögen offengelegt. «Wir haben als Paar – jetzt sind wir in Trennung – letztes Jahr rund 200000 Franken Einkommen und 700000 Franken Vermögen versteuert», sagte die SP-Nationalrätin in der «Mittelland Zeitung».

Gemäss «Weltwoche» hatte das Vermögen des Paares 2007 noch 1,2 Millionen betragen. Das zeigt auch der definitive Steuerausweis vom 2007. Ein Jahr später, 2008, hatte die provisorische Einschätzung das Vermögen auf 626000 Franken taxiert. 2009 veranschlagten es Fehr und ihr Noch-Ehemann Maurice Pedergnana gemäss Steuererklärung auf 707000 Franken.

Dass das Vermögen innerhalb eines Jahres um eine halbe Million Franken gesunken ist, erklärt Fehr mit Investitionen ihres Ex-Partners. «Er hat dieses Geld nach meinem Wissensstand in ein Projekt investiert», sagt Fehr. Rechtlich seien der Bankier Maurice Pedergnana und sie immer noch verheiratet. In der Scheidungsvereinbarung, die gegenwärtig in Ausarbeitung sei, sei aber vorgesehen, dass sie das Haus übernehmen werde, während ihr Ex-Partner die anderen Vermögensteile erhalte, inklusive dieser Investition.

Dass nun ausgerechnet ihr Einkommen und Vermögen öffentlich thematisiert werde, findet Fehr allerdings «seltsam». «Zumal ich meine Steuerdaten bewusst nicht gesperrt habe, wie das eigentlich im Kanton Zürich möglich wäre.» Beim Bundesrats-Wahlkampf zwischen Didier Burkhalter (FDP) und Urs Schwaller (CVP) hätten solch sehr persönliche Dinge keine Rolle gespielt. Der Wahlkampf sei über politische Diskussionen geführt worden. «Ich hoffe, wir fallen nicht wieder in alte Zeiten wie bei Christiane Brunner zurück, als persönlichste Dinge an die Öffentlichkeit kamen», sagt Jacqueline Fehr – und fragt: «Hat das damit zu tun, dass Frauen zur Wahl stehen oder dass ich in Trennung bin?» Auch sie möchte «gerne über die Politik» wahrgenommen werden, betont Fehr. Wie viel man verdiene, sei ja nicht entscheidend dafür, ob jemand gute Arbeit im Bundesrat leiste. Fehr: «Zudem müssten dann bei allen anderen Bundesratskandidaten dieselben Massstäbe angewandt werden.»

Indirekt spricht sie damit vor allem Unternehmer und FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann an. Dieser hatte in einem Schreiben an alle Mitarbeiter festgehalten, wie es in seinem Unternehmen weiterginge, sollte er Bundesrat werden. Im Schreiben, das die «Mittelland Zeitung» publik machte, betonte Schneider-Ammann, dass das Unternehmen langfristig in Familienhand bleiben soll. Aufhorchen liess eine Formulierung: «Die Aktionärsstruktur bleibt unverändert. Ammann und Avesco bleiben vollständig unter Kontrolle der Familien Schneider-Ammann und Ammann.»

Das wirft Fragen auf. Bleibt Schneider-Ammann Aktionär der beiden Firmen, selbst wenn er Bundesrat ist? Und: Kann das nicht zu einem Interessenkonflikt führen, wenn er als Bundesrat einen Entscheid fällen müsste, der sich nachteilig auf Ammann und Avesco auswirken würde? Schneider-Ammann beantwortet beide Fragen mit einem klaren Nein. «Ich würde selbstverständlich alle Aktien abgeben», betont er. «Diese gingen auf meine Nachkommen über.» Für den FDP-Nationalrat ist klar: «Ein persönlicher Interessenkonflikt wäre ausgeschlossen.»

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