Seit seinen Erklärungen vor den Medien am Donnerstag hat sich die Position von Nationalbankchef Philipp Hildebrand gefestigt. Schon morgen holt er gemäss «Sonntag»-Informationen zum nächsten Befreiungsschlag aus: Er legt Parlamentariern das E-Mail offen, welches zweifelsfrei belegen soll, dass nicht er, sondern seine Ehefrau die heikle Dollar-Transaktion vom 15. August in Auftrag gab (Kauf von 504 000 Dollar). Damit wäre die «Weltwoche»-Enthüllung in ihrem zentralen Punkt widerlegt.

Wie ein Mitglied der nationalrätlichen Wirtschaftskommission (WAK) sagt, ist die Offenlegung für die morgige Kommissionssitzung angekündigt. Daran nehmen nebst Hildebrand auch Bankratspräsident Hansueli Raggenbass und Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf teil.

Mit eigenen Augen bereits gesehen hat das ominöse E-Mail von Kashya Hildebrand der Direktor der eidgenössischen Finanzkontrolle, Kurt Grüter. Er hat im Auftrag der letztjährigen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey die Kontounterlagen der Familie Hildebrand geprüft. «Aus den Kontounterlagen ist nicht ersichtlich, wer den Auftrag erteilte», sagt Grüter, angesprochen auf die Transaktion vom 15. August. Diesen Beweis würden jedoch E-Mails liefern: «Diese E-Mails belegen, dass der Auftrag für diese Transaktion von Frau Hildebrand kam und nicht von ihm», so Grüter.

Die WAK-Sitzung dürfte Hildebrand weiter stärken – so wie auch die Aussagen von Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf in der «Arena». Denn sie beschäftigt vor allem eine Frage: «Wie kommt man dazu, die Bankdaten abzukupfern und sie weiterzuverbreiten?», fragte die Finanzministerin. Und forderte – in für sie ungewohnten Worten – «knallharte Untersuchungen». Doch in der WAK-Sitzung dürfte auch eine äusserst heikle Frage zur Sprache kommen, die bislang öffentlich nicht diskutiert wurde: Hat die Affäre Auswirkungen auf den Wechselkurs?

Exportwirtschaft und Tourismus fordern verzweifelt eine Erhöhung des Euro-Mindestkurses von Fr. 1.20, den die Nationalbank am 6. September 2011 einführte. Nicht wenige Analysten hatten erwartet, dass die SNB vor Weihnachten eine Anhebung des Mindestkurses bekannt geben würde. Der Ökonom Klaus Wellershoff sagte Ende Oktober auf «Newsnet»: «Wir rechnen mit einer Anhebung im Dezember.» Diese Erwartung verstärkte sich, als Anfang Dezember an den Devisenmärkten der Euro nahe an die 1.25-Franken-Marke herankam. Jetzt wäre doch die Gelegenheit für die Nationalbank gut, die Limite auf 1.30 zu erhöhen, so die Hoffnung. Doch am 15. Dezember trat Hildebrand vor die Medien und kündigte an, die SNB werde weiterhin die Grenze von 1.20 durchsetzen.

Gegenüber dem «Sonntag» sagt nun eine Quelle, die gewöhnlich gut informiert ist über die Vorgänge in der Nationalbank: «Es wurde ernsthaft geprüft, die Limite zu erhöhen.» Brisant ist die Begründung, warum darauf verzichtet wurde: «Es gab Hinweise auf eine geplante Destabilisierungs-Aktion gegen die Nationalbank im Zusammenhang mit einem Datenleck», so die Quelle.

Wurde die ersehnte Kurserhöhung verschoben, weil man Angst hatte, sie wäre im Wirbel um die Person Hildebrands angreifbar geworden? Zumindest ist davon auszugehen, dass Hildebrand bereits wusste, dass Kontoinformationen zu privaten Devisentransaktionen nach aussen gedrungen waren. Christoph Blocher hatte Micheline Calmy-Rey diesbezüglich am 8., 13. und 15. Dezember informiert. SNB-Sprecher Werner Abegg will sich nicht äussern «zu den Fragen, die den geldpolitischen Entscheidungsprozess ansprechen, wie Sie sicher verstehen werden.

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