Die USA sind das einzige Land, das von den Piloten und Flight Attendants der Swiss zur Einreise persönlich ein Visum verlangt. Sonst müssen sich die Crew-Mitglieder der Schweizer Airline nicht um Bewilligungen kümmern und können auch in Staaten wie China oder Indien ohne einen Stempel im Pass ihrer Arbeit nachgehen.

Die USA verlangen aber nicht nur ein Visum, sie schreiben auch vor, dass alle Visum-Antragsteller persönlich bei der US-Botschaft in Bern vorsprechen und danach auch noch ihre Fingerabdrücke abgeben müssen. Dieses Prozedere beschert der Fluggesellschaft horrende Kosten. Konkret muss die Swiss nämlich jedem Mitglied der Crew für die Reise nach Bern einen freien Tag, das Zugticket und die Visakosten von 126 Franken bezahlen. Zurzeit müssen gerade 2000 Angehörige der 4700 Personen zählenden Crew ihre Visa erneuern. Das geht ins Geld: Gemäss «Sonntag»-Berechnungen entstehen der Swiss dadurch Kosten von über einer Million Franken. Die Fluggesellschaft möchte nicht über Zahlen sprechen, bestätigt aber, dass es noch bis März zu einer Visa-Erneuerungswelle kommt. Dies, weil US-Visa zehn Jahre gültig sind und seit der Gründung der Swiss als neue Gesellschaft 2002 nun zehn Jahre verstrichen sind.

Früher gab es laut amerikanischem Gesetz die Voraussetzung einer persönlichen Erscheinung in Zusammenhang mit einem Visumsantrag nicht. Die Ereignisse des 11. September 2001 waren Anlass dafür, dass viele Sicherheitsmassnahmen, die mit der Einreise in die USA zu tun haben, weltweit verschärft wurden. Alle 2000 Swiss-Cabin-Crew-Mitglieder, die zu Swissair-Zeiten ihr US-Visum noch per Post erhielten, müssen deshalb nun das erste Mal in Bern antraben. «Wir sind ja keine Verbrecher und vor allem ist die ganze Aktion extrem mühsam», sagt ein Co-Pilot. Jeder Swiss-Mitarbeiter muss sich zuerst durch 40 Online-Anmeldeseiten kämpfen.

Und obwohl man sich auf einer kostenpflichtigen 0900-Telefonnummer zu 2.50 Franken pro Minute für den Termin in der US-Botschaft vorgängig anmelden muss, entstehen durch den grossen Ansturm und die rigorosen Sicherheitskontrollen in Bern zum Teil enorme Wartezeiten. «Man darf da kein Handy und kein Buch, rein gar nichts auf sich tragen und man muss ständig unangenehme Fragen beantworten», sagt ein Flight Attendant.

CVP-Präsident Christophe Darbellay, welcher der nationalrätlichen Wirtschaftskommission vorsteht, bezeichnet die von den amerikanischen Behörden geforderten Massnahmen für die Erteilung eines Visums im Zeitalter des Internets als unglaublich und völlig unverhältnismässig. «Man hat das Gefühl, dass die USA versuchen weltweit einen Polizeistaat zu installieren. Das ist geht definitiv zu weit.»

Zum Vergleich: Das Personal von amerikanischen Fluggesellschaften benötigt für die Einreise in die Schweiz nur einen gültigen Pass und eine Arbeitsbestätigung der Airline. «Man muss schauen, was man auf dem diplomatischen Weg erreichen kann. Hier ist nun Bundesrat Didier Burkhalter gefordert», sagt Darbellay. Auch Wirtschaftswissenschafter und SVP-Mann Hans Geiger spricht von Schikane. Im Gegensatz zu den US-Attacken gegen Schweizer Banken (dort gehe es immerhin um Geld) würde diese Visums-Aktion den Amerikanern ja überhaupt nichts bringen. Der Pass allein sei bereits ein grosses Sicherheitsmerkmal.

Die Konsularbehörde des US-Aussenministeriums bemüht sich nun, bessere Arbeitswege einzuführen und ihren Kundenservice zu verbessern. «Wir werden das Prozedere vereinfachen, wo es möglich ist», sagt der Presseattaché der US-Botschaft in Bern, Alexander Daniels. So will man den Antragstellern in Zukunft nach Ablauf des Visums eine Erneuerung ohne ein persönliches Vorsprechen ermöglichen.

Die Swiss betont, dass die Fluggesellschaft ein Interesse an möglichst einfachen Einreisebedingungen hat. «Gleichzeitig respektieren wir selbstverständlich die Sicherheits- und andere formelle Vorkehrungen, die einzelne Staaten erlassen», sagt Swiss-Mediensprecherin Susanne Mühlemann. Zudem unterstreicht sie, dass die Swiss beim Visa-Prozess mit den US-Behörden in sehr gutem Einvernehmen zusammenarbeite.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!