Das Schreiben traf erst kürzlich bei Anwalt Bernhard Zollinger ein. Absender war das Migrationsamt des Kantons Zürich. Der Inhalt: Die C-Bewilligung von Amir B.* wird widerrufen. Dies bestätigt Zollinger gegenüber dem «Sonntag». Die Behörden hätten sich auf das «Sicherheitsbedürfnis der Öffentlichkeit» berufen. Nach Auskunft von Zollinger hält die Verfügung fest, dass der Serbe albanischer Herkunft nicht gewillt sei, «sich in die Ordnung einzufügen».

Landesweit bekannt wurde Amir B. 2004 mit einem TV-Auftritt in der «Rundschau». Der 21-Jährige prahlte mit seiner Raserei und gab Sprüche von sich wie: «Ich bin halt ein Psychopath, ich baue lieber einen Unfall, als dass ich ein Rennen verliere.» Schon mit 16 Jahren kam Amir B. mit dem Gesetz in Konflikt, weil er mit einem gestohlenen Töffli unterwegs war. Es folgte eine beispiellose Serie von Gesetzesverstössen.

Der Entzug der Niederlassungsbewilligung wird mit Urteilen in der Vergangenheit begründet, die nun rechtskräftig wurden. Noch gar nicht berücksichtigt ist die letzte Verurteilung vom 15. Dezember 2011 vor dem Bezirksgericht Hinwil. Dabei wurde Amir B. zu insgesamt 46 Monaten Gefängnis verurteilt. Alleine 19 Monate Gefängnis gab es für Gehilfenschaft zu Diebstahl, Hehlerei und Fahren ohne Führerschein. Zudem wurde der bedingte Strafvollzug eines früheren Gerichtsurteils aufgehoben und in eine unbedingte Gefängnisstrafe von 18 Monaten umgewandelt. Weitere 9 Monate kommen von einer früheren Strafe hinzu.

Mehr als 30 Delikte wurden Amir B. in den letzten zehn Jahren zur Last gelegt. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung kann ab einem Strafmass von einem Jahr erfolgen. In zwei Urteilen hat das Bundesgericht die gängige Praxis der kantonalen Migrationsämter bestätigt, dass ein Strafmass in dieser Höhe als «längerfristige Freiheitsstrafe» auszulegen ist. Damit steht erstmals fest: Amir B. muss die Schweiz verlassen, doch der Zeitpunkt bleibt unklar. Rechtskraft und Vollzug der Strafe sind Voraussetzung. Sein Anwalt Zollinger will jedenfalls alle rechtlichen Mittel ausschöpfen – auch wenn die Aussichten auf Erfolg mehr als gering sind. So hat er das letzte Urteil von 46 Monaten in Teilen angefochten, wie Zollinger bekannt gibt. Amir B. bestreitet, dass er am 28. November 2010 an einem Einbruch in ein Doppeleinfamilienhaus beteiligt war. Doch für die Untersuchungsbehörden war schnell erwiesen, dass er Schmiere gestanden hat, während zwei Komplizen in das Haus einbrachen. Amir B. wurde noch am Tatort verhaftet. Dem Gericht tischte er trotzdem «eine Lügengeschichte nach der anderen» auf, wie in der Urteilsbegründung festgehalten wurde. So behauptete Amir B., er habe in Hinwil eine Freundin besuchen wollen. Weshalb er im Auto der Komplizen mitfuhr, erklärte er damit, dass er ihnen den Weg habe zeigen müssen – trotz Navigationsgerät.

In einem Gespräch mit dem «Sonntag» im Oktober 2010 zur Ausschaffungsinitiative gab sich Amir B. geläutert. «Das Thema Rasen ist für mich erledigt», sagte er. Seine beiden Buben – sechs und sieben Jahre alt – seien der neue Lebensinhalt. Der gelernte Gipser gab an, jetzt Bauunternehmer zu sein. Ob er die Schweiz dereinst mit Kindern und Ehefrau verlassen wird, ist völlig offen. Eine Stellungnahme war nicht erhältlich.

Wie uneinsichtig Amir B. ist, zeigte sich zuletzt bei der Urteilsbegründung vor dem Gericht in Hinwil: Statt zuzuhören, tippte er SMS in sein Handy.

* Name der Redaktion bekannt.

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