Im Oktober stieg die Arbeitslosenquote um über 10 000 Personen auf 2,9 Prozent an. Gleichzeitig bleibt der Zuwanderungsstrom ungebremst hoch. Wie neuste Zahlen des Bundesamts für Migration zeigen, kamen von Januar bis September rund 106 000 Einwanderer in die Schweiz – meistens aus den alten EU-Staaten. Dabei hatte die Wirtschaft zuletzt einige Tiefschläge zu verkraften. Seit Jahresbeginn gaben Firmen den Abbau von fast 11 000 Jobs bekannt, darunter die UBS (2500 Stellen), Merck Serono (1250) und Swisscom (400).

Dass dennoch immer mehr Personen in die Schweiz kommen, ist bemerkenswert, denn Vertreter der Wirtschaft betonen stets, dass sich die Einwanderung aus der EU der konjunkturellen Entwicklung anpasst. Zieht die Konjunktur an, steigt die Zuwanderung, herrscht Rezession, geht sie zurück. Doch die Wirtschaft schwächt sich nun schon seit Monaten ab. So stieg beispielsweise die Arbeitslosenquote seit Juni an. Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft schrieb bereits vor zwei Monaten, dass die internationale Konjunkturabkühlung nun in der Schweiz angekommen sei.

Das dürfte den Gegnern der Personenfreizügigkeit, wie SVP und der grünen Initiative Ecopop, Aufwind geben. Sie wollen das Bevölkerungswachstum eingrenzen. Tatsächlich schreibt die UBS in einer Publikation diese Woche, dass die Bevölkerung in den kommenden Jahren bedeutend rascher wachsen werde, als erwartet, sollte die Personenfreizügigkeit nicht gekündigt werden. Demnach wird die Schweiz die 10-Millionen-Einwohner-Grenze bereits 2031 überschreiten. Neben den Einwanderern müssen aber auch die Auswanderer berücksichtigt werden. Die Wanderungsbilanz 2012 – also der Unterschied zwischen der Zahl der Einwanderer und der Auswanderer – liegt zurzeit bei 52 500 Personen.

Dass die Zuwanderung in den kommenden Monaten abflachen wird, ist für Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbands, aber nur eine Frage der Zeit. Wenn die Konjunktur nachlasse und die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften sinke, kämen auch weniger Personen in die Schweiz, sagt er. Wegen des starken Frankens und dem schwächelnden internationalen Markt werde die Beschäftigung in den nächsten Monaten wohl stagnieren. Davon geht auch der KOF-Index der ETH aus, der die wichtigsten Wirtschafts-Branchen berücksichtigt. Damit dürfte sich die Arbeitslosenquote weiter leicht erhöhen. Am stärksten betroffen sind voraussichtlich das Gastgewerbe und die Industrie.

Für die Wirtschaftsverbände wäre die Kündigung der Personenfreizügigkeit dennoch unsinnig und schädlich für den Wohlstand der Schweiz. Der befürchtete Druck auf die Löhne sei seit der Einführung 2002 weitgehend ausgeblieben und die neuen Arbeitskräfte aus der EU seien mehrheitlich gut qualifiziert. Die Auswertung nach einzelnen Ländern liegt für 2012 noch nicht vor. Man kann aber davon ausgehen, dass die Zusammensetzung ähnlich geblieben ist. 2011 stammten die meisten Einwanderer aus Deutschland (12 600), Portugal (11 000) und dem Kosovo (9000).

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