Ueli Schmezer ist drauf und dran, eine TV-Institution zu werden. Der smarte Berner ist seit 1996 Gesicht, Aushängeschild und Visitenkarte der wirtschaftskritischen Sendung «Kassensturz». Mit sanfter Stimme hat der 50-Jährige schon manchen harten Brocken in die Enge getrieben. Seine so freundliche wie hartnäckige Art macht ihn zum Sympathieträger und Publikumsliebling. Auf der von der «Glückspost» zusammengestellten Liste der «50 Traummänner» liegt er auf Platz 40. Die Begründung: «Der unbestechliche ‹Kassensturz›-Moderator ist für uns Konsumenten ein Segen, denn er schaut Betrügern und Scharlatanen auf die Finger.» Zum Traummann-Image passen die Feierabendauftritte als Kinderliedermacher und Interpret von Mani-Matter-Chansons.

Nun droht der gute Ruf des Journalisten Schaden zu nehmen. Wer den Geschäftsbericht der Emmental Versicherung 2011 durchblättert, reibt sich, auf Seite 18 angekommen, verwundert die Augen. Da ist Schmezer mit einem Mikrofon in der Hand zu sehen. Der Grund für dieses Bild: Der «Kassensturz»-Macher führte an der Olma durch eine von der Emmental Versicherung gesponserte Veranstaltung. Es ging um die Verleihung des Agropreises 2011. Ueli Schmezer moderierte den Anlass laut Geschäftsbericht «mit viel Witz und Charme». 5000 Franken betrug sein Honorar.

Eigentlich ist es klar und in einem Reglement festgeschrieben: Mitarbeiter des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF), die für Info-Sendungen arbeiten, dürfen keine Nebenjobs annehmen, die ihre eigene Glaubwürdigkeit oder diejenige ihrer Redaktion oder ihres Senders touchieren.

Ueli Schmezer sagt, dass es sich beim Agropreis um einen Förderpreis für innovative Landwirte handle. Und er betont, dass die Moderation an der Preisverleihung von seinen Vorgesetzten bewilligt worden sei.

Zur Frage der Glaubwürdigkeit sagt er: «Ich übernehme solche Aufgaben nur, wenn ein journalistischer Zugang und meine Unabhängigkeit in Interviews und Moderation garantiert sind.» Das sei bei dieser Preisverleihung der Fall gewesen. «Zudem hat mir diese Aufgabe einen Einblick in ein Gebiet gebracht, das immer wieder Thema im ‹Kassensturz› ist.» Und wenn ein Vertreter der Emmental Versicherung einmal Gast im «Kassensturz» wäre? «Dann würde ich ihn genauso hart befragen, wie es die Zuschauer von mir gewohnt sind.»

2012 wird wiederum ein Agropreis verliehen. Wird Schmezer erneut mit von der Partie sein? «Voraussichtlich werde ich den Preis auch dieses Jahr moderieren – das Einverständnis meiner Vorgesetzten vorausgesetzt.»

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