VON CLAUDIA MARINKA

Es ist eine besorgniserregende Vorstellung, dass dieser Plan Realität werden könnte: Schweizer Kinderärzte prüfen die Rationierung der Behandlung von Kindern. Konkret laufen Vorbereitungen, welches Kind sie im Extremfall der Pandemie zuerst behandeln. «Eine Arbeitsgruppe von spezialisierten Kinderärzten hat Kriterien ausgearbeitet, wie man eine solche Auswahl treffen könnte.

Grundsätzlich geht es dabei darum, die zu knappen Plätze denjenigen Kindern zuzuteilen, die davon am meisten profitieren können», sagt Christian Kind, Chefarzt Pädiatrische Klinik Ostschweizer Kinderspital. Im Interview mit dem «Sonntag» spricht der Präsident des Kinderärzte-Verbandes erstmals offen darüber, welche Vorkehrungen im Extremfall einer Pandemie zum Zuge kämen.

Schon in normalen Zeiten müssen die Spitäler immer wieder Kinder von einer Intensivstation, die zu wenig Platz hat, an einen anderen Ort in der Schweiz zur Beatmung verlegen. «Sehr schwierig würde es, wenn in der ganzen Schweiz alle Plätze belegt wären und wir nicht mehr allen Kindern, die das benötigen, einen Beatmungsplatz anbieten könnten», sagt Kind.

Es gehe darum, diejenigen Kinder auf der normalen Station zu behalten, die auch ohne Aufnahme auf die Intensivstation überleben können – und solche, deren Überlebenschancen auch auf der Intensivstation gering sind. Kind: «Für Kinder mit relativ geringen Chancen bedeutet dies, dass wir auf diese Chance, die wir ihnen unter normalen Umständen bieten könnten, verzichten müssten.»

Auch andere Ärzte sind gerüstet. Christoph Berger, Co-Leiter Infektiologie an der Universitäts-Kinderklinik Zürich: «Wir werden das Dilemma haben, zu entscheiden, wem man einen Platz gibt. Es ist eine beunruhigende Vorstellung, dass wir rationieren müssten.»

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Foto: bab.ch - Santa Clara - Photononstop