Die UBS beschwerte sich lauthals: Verschiedenen Medien sollen «Kritik und rufschädigende Unwahrheiten rund um die privaten Verwaltungsratsmandate von Sergio Ermotti verbreitet» haben.

Doch der Tessiner UBS-Chef muss sich nicht von allen privaten Engagements trennen. So darf er auch in Zukunft seine Fondazione Ermotti leiten. Wie die UBS mitteilt, handelt es sich dabei um eine im Mai 2011 gegründete gemeinnützige Stiftung mit dem Zweck «soziale Solidarität». Sie unterstützt Verbände und Projekte aus dem Tessin. Hilfe geht an Bedürftige sowie die Jugend im Rahmen von Kultur und Sport. Die Stiftung will auch Beiträge leisten an die medizinische Forschung und den Kampf gegen Krankheiten im Allgemeinen sowie die Entwicklung von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur des Kantons Tessin unterstützen.

Pikant an der Stiftung ist deren Sitz: die Fidinam SA, via Maggio 1, in Lugano. Das ist die Gesellschaft von Tito Tettamanti, in deren Verwaltungsrat Sergio Ermotti selbst bis zu seinem Engagement bei der UBS sass. Die UBS-Pressestelle konnte keinen Grund nennen, weshalb die Stiftung beim umstrittenen Tessiner Financier domiziliert sei. Sie verwies darauf, dass die Stiftung nach schweizerischem Recht gegründet wurde und vom Bund beaufsichtigt und jährlich einer Revision unterzogen wird.

Weiter hält die UBS fest, dass sie seit dem Eintritt von Ermotti in die Konzernleitung über die nebenberuflichen Engagements informiert war und diese ausdrücklich bewilligt hatte. Den Mitgliedern des Nominierungskomitees im Verwaltungsrat muss zumindest fehlender Realitätssinn vorgeworfen werden.

Präsidiert wird der Ausschuss von Kaspar Villiger. Weitere Mitglieder sind der Schweizer Bruno Gehrig, der Belgier Michel Demaré sowie David Sidwell, ein britisch-amerikanischer Doppelbürger. Zumindest Villiger und Gehrig sollten die Mechanismen kennen, mit welchen die Schweizer Volksseele zum Kochen gebracht werden kann.

Möglicherweise gravierender dürfte der Entscheid des Verwaltungsrats gewesen sein, Ermotti nicht sofort zum definitiven CEO ernannt zu haben. Stattdessen sollen Villiger und Co. die Headhunter-Firma Egon Zehnder beauftragt haben, einen fähigen Kandidaten zu suchen, wie US-Medien berichteten.

Das schwächt Ermotti zusätzlich. Nicht besser macht, dass der Tessiner 2009 bei der Suche nach einer Nachfolge von Marcel Rohner nicht auf der Shortlist erschien, wie «Der Sonntag» erfahren hat. Die UBS wollte dazu keine Stellung nehmen.

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