Die Schweizer Jugend hat mit dem Rauchen von Wasserpfeifen einen neuen Trend für sich entdeckt. Der Import von Shisha-Tabak ist so stark angestiegen, dass die Eidgenössische Zollverwaltung seit kurzem die Zahlen gesondert vom übrigen Tabak erhebt. Im Jahr 2012 wurden über 187 Tonnen des Tabaks eingeführt. Neue Zahlen der Zollverwaltung, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen, belegen nun einen ungebremsten Boom. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden 100 Tonnen Shisha-Tabak eingeführt, gegen Ende Jahr dürften es über 230 Tonnen sein. Das wäre eine Steigerung von über 26 Prozent gegenüber dem letzten Jahr.

Der Boom widerspiegelt sich auch in den Nutzungszahlen. Im neusten Suchtmonitoring-Bericht, den das Bundesamt für Gesundheit vor kurzem publizierte, gab fast jeder dritte Jugendliche an, regelmässig oder gelegentlich zur Wasserpfeife zu greifen. Damit konsumiert fast ein gleich grosser Teil der Jugendlichen Wasserpfeifen wie Zigaretten.

Die Lungenliga betrachtet die Entwicklung mit Sorge. «Wasserpfeifen sind genauso schädlich wie Zigaretten», sagt Sprecherin Barbara Weber. Im Shisha-Rauch seien bisher schon 70 krebserregende Stoffe nachgewiesen worden. Zudem seien die Verbrennungstemperaturen bei der Wasserpfeife tiefer als bei der Zigarette. Statt bei 900 Grad verglimme der Tabak bei der Wasserpfeife nur bei etwa 400 bis 500 Grad. Dadurch würden weniger Giftstoffe verbrannt. «Das Rauchen einer Wasserpfeife dauert ungefähr 45 bis 60 Minuten, also viel länger als bei der Zigarette. In dieser Zeit wird mindestens hundertmal mehr Tabakrauch inhaliert als bei einer Zigarette», sagt Weber.

Der Boom hat auch neue Geschäftsmodelle befeuert. Mit markigen Slogans werben Internethändler um Kundschaft. «Wir verkaufen keinen Tabak, den wir nicht selber rauchen würden», heisst es etwa bei einem Anbieter. Ignazio Cassis, FDP-Nationalrat und Präsident der Schweizerischen Gesundheitsstiftung Radix, ist dies ein Dorn im Auge. «Der Internethandel ist ein Problem», sagt er. Gleichzeitig sei die Aufklärung noch ungenügend. «Unter Jugendlichen scheint die Ansicht weit verbreitet, dass das Wasser eine reinigende Wirkung hat. Das ist komplett falsch», sagt er. Weitere Aufklärung sei nötig. Allerdings entstünden Jugendtrends so schnell, dass Prävention immer zu spät komme. Das Gute an Trends sei aber, sagt Cassis, «dass sie auch wieder verschwinden können».

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