TONI UND DIE FRAUEN

1250372162.jpg

1250372162.jpg

SVP-Präsident Toni Brunner sagt, wann seine Partei einen eigenen Bundesratskandidaten stellen wird, welche Ziele er für die Wahlen 2011 verfolgt – und was er von der Diskussion über angeblich schlecht gekleidete Frauen hält.

VON OTHMAR VON MATT

Herr Brunner, gestern war die SVP-Geschäftsleitung in Ihrem «Haus der Freiheit» zu Gast. War es lustig?
Toni Brunner: Wir hatten eine zweitägige Sommerklausur. Dazu gehören Sitzungen, aber auch ein geselliger Abend und eine lange Nacht. Es wurde spät.


Sie gaben einen Tenübefehl heraus:Alle kommen ohne Krawatte. Hielten sich die Herren daran?
Noch so gerne. Die SVP ist eine unkomplizierte und volkstümliche Partei. Selbst Walter Frey trug am zweiten Tag keine Krawatte mehr.


Es gehorchen Ihnen nicht alle?
Doch. Der Tenübefehl war nicht ganz bis zu ihm vorgedrungen.


Also «verludern» inzwischen gar bei den SVP-Spitzenpolitikern die Sitten . . .
Wir hielten uns in einem ganz einfachen Landgasthof auf.


. . . so dass Ruedi Kuhn, der Stadtluzerner Ex-SVP-Präsident, nun die krawattenlosen SVP-Männer anprangern muss – nach den «ungepflegten linken Frauen»?
Mit Verluderung hat das nichts zu tun. Im Übrigen kann Herr Kuhn denken, was er will. Aber bitte nicht auf Kosten der Partei.


Hat er recht mit seinen Aussagen zu linken Schweizer Frauen?
Die Aussagen waren deplatziert und sie schaden unserer Partei. Da gibt es nichts zu beschönigen.
Persönlich müssen Sie jetzt natürlich sehr aufpassen:


Sie sind ja mit einer CVP-Frau liiert. Und gemäss SVP-Definition ist diese damit eine Linke.
(Lacht lange) Meine Freundin ist sehr emanzipiert und selbstbewusst, aber keine Emanze. Wir stellen uns keine Fragen über Frauenbilder.


In der Klausur mit der Parteileitung ging es auch um die Bundesratswahlen. Tritt die SVP nun selber an?
Es gibt zwei starke Strömungen im Präsidium. Ich bin eher überrascht, wie stark die Fraktion jener ist, die einen SVP-Kandidaten wollen. Namhafte Vertreter wollen das.


Wer?
Wichtige Leute wie Fraktionschef Caspar Baader, Toni Bortoluzzi und auch Christoph Mörgeli. Das gab mir einen Vorgeschmack auf die Diskussionen, die wir nächste Woche in der ausserordentlichen Sitzung des Fraktionsvorstandes haben werden.


Weshalb möchten Baader und Co. einen SVP-Kandidaten?
Der SVP-Anspruch auf einen zweiten Sitz ist am ausgewiesensten. Zudem hat man in diesen Kreisen genug von den Spielereien, die um die Bundesratswahlen ablaufen. Dem liegt das «Päckli» zugrunde, das die CVP mit den linken Parteien bereits wieder geschlossen hat. Jene Allianz also, die schon Christoph Blocher abgewählt und Ueli Maurer fast verhindert hat. Sie wird Urs Schwaller durchbringen. Entscheidend wird auch sein, wie stark man es der FDP zutraut, den Sitz zu holen. Weite Kreise in unserer Partei sehen diese Chance an einem kleinen Ort.


Etwa die Hälfte der Parteileitung will einen SVP-Kandidaten?
Ja. Und das könnte sich auch als Spiegelbild in der Fraktion abzeichnen.


Blocher ist für die FDP?
Er liess sich so vernehmen. Es gibt tatsächlich solche, die eher dazu neigen, die FDP zu unterstützen. Stellen wir den Anspruch nicht, hat die FDP als drittstärkste Partei im Land die Legitimation auf den Sitz.


Es ist nicht absehbar, welches Lager in der SVP gewinnt?
Nein. Darüber bin ich selber überrascht. Diese Frage soll in der Fraktion offen und transparent diskutiert werden.


Es gibt kein vorgespurtes Verfahren?
Überhaupt nicht. Und das Resultat ist absolut offen.


Man wird erst etwa eine Woche vor der Wahl wissen, wer genau antritt. Wird die SVP so lange warten?
Persönlich denke ich, dass wir gar nicht früher entscheiden können.


Haben Sie schon mit SVP-Kandidaten gesprochen?
Wenn die SVP selber antreten will, hat sie die entsprechenden Köpfe.


Nationalrat Jean-François Rime liess durchblicken, er sei zu einer Kandidatur bereit. Gab es Gespräche mit ihm?
Er liess sich in dieser Art vernehmen.


Gab es weitere Gespräche?
Es gibt weitere Personen, die bereit wären zu einer Kandidatur.


Und wie werden die FDP-Kandidaturen in der SVP beurteilt?
Die Begeisterung für die Kandidaturen, die sich bei der FDP abzeichnen, hält sich in Grenzen.


Mit Ausnahme jener Fulvio Pellis?
Das ist Ihre Interpretation. Was ich aber sagen kann: Die Ausgangslage bei der FDP lässt jene Strömung bei uns wachsen, die eine SVP-Kandidatur will.

Lesen Sie das ganze Interview in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!
Foto: Heike Grasser

Artboard 1