Zwölf Prozent mehr Frauen als noch für fünf Jahren haben sich ins Studienfach Theologie einschreiben lassen. Die neusten Zahlen des Bundes belegen: Der Job als Pfarrer gilt als attraktives Berufsziel. Im vergangenen Jahr haben 761 Frauen Theologie studiert – das sind 84 Studentinnen mehr als noch vor fünf Jahren, ein Anstieg von 12 Prozent.

Aber auch insgesamt scheint der Studiengang bei Jung-Akademikern auf reges Interesse zu stossen: Insgesamt haben 1579 Studenten das Theologie-Studium gewählt, vor fünf Jahren waren es noch 1435, 10 Prozent weniger.

Die Geisteswissenschaften waren für Frauen schon immer attraktiver als die Naturwissenschaften, meint Reinhold Bernhardt, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Basel. So lägen auch Fragen der Kunst und Kultur in Geschichte und Gegenwart vielen Frauen offensichtlich näher als Physik, Chemie und Biologie. «Aber vielleicht gibt es auch Gründe, die in der unterschiedlichen Wahrnehmung der öffentlichen Aufmerksamkeit liegen», fährt Bernhardt fort. «Gerade am Bereich des Religiösen kann man das deutlich beobachten. Während dieser Bereich in früheren Jahrzehnten als Randphänomen galt, wird er jetzt sehr stark wahrgenommen.»

So verzeichne das Schweizer Fernsehen beispielsweise rund 50 Sendungen auf SF1, die sich mit dem Islam befassen, davon alleine 37 in den Jahren 2008 bis Juni 2011. Bernhardt: «Dieses Interesse an der ‹anderen› Religion lässt auch verstärkt nach der ‹eigenen› fragen, noch dazu in Zeiten der Verunsicherung.»

Von den einzelnen Ausrichtungen in der Theologie würden sich Türen zu anderen Fächern öffnen: in die Sprachwelten des Hebräischen, Griechischen und Lateinischen beispielsweise. Oder aber auch in die altorientalischen Kulturen und die Geschichte der aussereuropäischen Länder, in denen sich das Christentum ausgebreitet habe. Hinzu kämen noch Philosophie und Ethik, Sozialwissenschaften, Ökonomie und Jus. Bernhardt: «Diese Multi- und Interdisziplinarität wird von vielen Studierenden geschätzt.»

Als «allgemeinen Trend» bezeichnet Daniel Schönmann, Generalsekretär der Universität Freiburg, die Theologie als geisteswissenschaftliche Disziplin. «Es ist aber sicher so, dass das Fach Menschen anzieht, die eine vielfältige intellektuelle Herausforderung mit einem starken Menschenbezug kombinieren möchten.» Theologie befasse sich auf der einen Seite wissenschaftlich anspruchsvoll mit Grundsatzfragen der menschlichen Existenz in Fächern wie Philosophie, Fundamental- und Moraltheologie.

Auf der anderen Seite nehme es sich der Geschichts- und Altertumswissenschaften an und habe mit Pastoraltheologie und Ethik einen starken Bezug zum konkreten menschlichen Alltag. Schönmann sieht noch einen weiteren entscheidenden Vorteil im Studium der Theologie: «Personen mit theologischem Abschluss, wie alle gut ausgebildeten Geisteswissenschafter, sind sehr vielfältig einsetzbar.»

Über freie Stellen brauchen sich angehende Theologinnen keine Sorgen zu machen. «Es gibt mehr als genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Theologinnen», sagt Bernhardt, Dekan an der Uni Basel. In den Kirchen seien viele Stellen frei und es würden in den nächsten Jahren durch Pensionierungen noch mehr. «Es herrscht Pfarrerinnenmangel», sagt er.

Aber auch ausserhalb der Kirchen hätten die weiblichen Geistlichen gute Chancen auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt. Sie würden in der Wirtschaft, in der Politik oder auch in der Medienbranche attraktive Positionen finden. Dekan Bernhardt sagt: «Wer Theologie studiert, braucht sich um seine Zukunft nicht zu sorgen.»

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