VON PETER BURKHARDT UND BENJAMIN WEINMANN

Da werden die Piloten vor Freude bestimmt nicht abheben: «Aufgrund der momentanen Wirtschaftssituation und weil die künftigen Entwicklungen schwer vorhersehbar sind, haben sich Swiss und Aeropers darauf geeinigt, in diesem Jahr auf Verhandlungen zu verzichten», sagt Andrea Kreuzer, Sprecherin der Schweizer Fluggesellschaft. Eine Nullrunde also für die Piloten der Langstreckenflotte.

Es hätte aber auch schlimmer kommen können: «Wir wurden im April von der Geschäftsleitung angefragt, ob wir allenfalls auf Lohn verzichten würden», sagt Rolf Odermatt, Präsident der Pilotengewerkschaft. Die Piloten hätten Freitage oder Ferienzeit opfern sollen. «Wir gingen aber gar nicht erst darauf ein», so Odermatt. «Bei einem Halbjahresgewinn von 65 Millionen Franken besteht für uns überhaupt kein Grund für einen Lohnverzicht. Wir empfinden die Anfrage als Hohn.»

Auch das Kabinenpersonal der Swiss muss im nächsten Jahr auf eine Lohnerhöhung verzichten. Der Grund: Seit Mai gilt ein neuer Gesamtarbeitsvertrag mit einer Lohnerhöhung von 4 Prozent. «Es wäre blauäugig, nur fünf Monate später nochmals mehr Lohn zu verlangen», sagt Urs Eicher, Präsident der Gewerkschaft Kapers. «Bis im Herbst 2010 sind Lohnerhöhungen auch wegen der eher negativen Teuerung kein Thema.»

Diese Aussage trifft einen wunden Punkt der Arbeitnehmer: Erstmals seit 1959 ist die durchschnittliche Jahresteuerung in der Schweiz negativ. Den Arbeitnehmern fehlt damit bei den diesjährigen Verhandlungen das zentrale Argument für Lohnerhöhungen. Die Krux: Weil die Teuerungsrate im nächsten Jahr gemäss allen Prognosen wieder auf 1 Prozent steigt, erleiden all jene Arbeitnehmer, die eine Lohnerhöhung von weniger als 1 Prozent erhalten, eine Reallohneinbusse.

Den Arbeitnehmervertretern ist bewusst, dass sie es in diesem Herbst schwer haben, Lohnsteigerungen durchzusetzen. «Uns schwinden die Argumente für höhere Löhne», sagt etwa Kurt Rüttimann, Präsident der Angestelltenvereinigung ABB. «Immer wenn die Teuerung gestiegen ist, haben wir das als Argument gebracht. Jetzt, wo es eine Negativteuerung gibt, werden sie die Arbeitgeber gegen uns verwenden.»

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