VON FABIAN KERN

Wissen Sie noch, was Sie mit 18 Jahren an Erinnernswertem geleistet haben? Vielleicht die Fahrprüfung bestanden, die erste ernsthafte Beziehung geführt oder zum ersten Mal allein verreist? Xherdan Shaqiris Tagebucheinträge sind da um einiges spektakulärer. In seinem ersten Profijahr wurde der Augster Stammspieler beim FC Basel, erhielt sein erstes Aufgebot für die A-Nationalmannschaft, gewann den Schweizer Cup und die Meisterschaft und darf als Krönung gar noch an die Weltmeisterschaft in Südafrika fahren. Ein wahres Fussballmärchen.

«Ich habe enorm viele Reaktionen von Fans, auch von weiblichen Fans, vor allem seit ich für die WM nominiert wurde», sagt Shaqiri. Der FCB-Aufsteiger als Frauenschwarm? «Da müssen Sie die Frauen fragen, nicht mich», antwortet er lachend. «Denjenigen, die mir schreiben, schicke ich eine Autogrammkarte.» Ganz hoffnungslos müssen die weiblichen Fans nicht sein: «Ich bin zurzeit Single», sagt Shaqiri.

Der Shootingstar hat den Führerausweis noch nicht, deshalb fährt er oft Tram. «Ich werde fast überall erkannt und auch angesprochen», erzählt er.

Vor Ottmar Hitzfelds Aufgebot für das Testspiel gegen Uruguay, erkundigte sich der Nationaltrainer bei Thorsten Fink, ob Shaqiri schon bereit dafür sei. «Natürlich, der Junge steckt das weg», lautete die Antwort des FCB-Trainers, der von Beginn weg auf das Kraftpaket gesetzt hatte. Und tatsächlich, Shaqiri ist noch genauso aufgestellt und natürlich wie vorher. Der Grund, warum der 18-Jährige mit beiden stämmigen Beinen auf dem Boden bleibt, ist seine Familie. «Wir sind eine richtige Fussballfamilie», erzählt das zweitjüngste von fünf Kindern. Die drei Brüder sind alle im Fussball aktiv, während die zehnjährige Medina hauptsächlich ihren prominenten Bruder bei den Spielen beobachtet. Dadurch kommt auch das einzige Mitglied der Familie Shaqiri, das nicht so fussballinteressiert ist, ins Stadion. «Medina ist mein grösster Fan. Meine Mutter kommt eigentlich nur mit, um auf sie aufzupassen», sagt Xherdan.

Bei aller Begeisterungfür die Erfolge des berühmten Bruders halten die beiden Brüder Arjanit (21) und Erdin (20), die in der zweiten Liga beim SC Binningen spielen, mit Kritik nicht hinter dem Berg. «Manchmal habe ich Mühe damit, wenn sie mich kritisieren. Sie sehen von aussen gewisse Dinge anders als ich auf dem Spielfeld. Aber ihre Meinung ist sehr wichtig für mich», sagt Xherdan. Vor einem Jahr hat er mit den beiden sogar noch ein Zimmer geteilt. Dank seinem Profivertrag wohnt die Familie Shaqiri nun in einer 5½-Zimmer-Wohnung in Kaiseraugst.

Arjanit ist es denn auch, der seinen jüngsten Bruder oft begleitet. Wie zur Vorstellung der Basler WM-Teilnehmer. In der Familie war es nie ein Thema, für welches Land Xherdan, der im Alter von eineinhalb Jahren mit seiner Familie von Kosovo in die Schweiz kam, spielen würde. «In der Schweiz bin ich aufgewachsen, das ist meine Heimat», sagt Xherdan. Vielleicht kann er seinem Land bald ähnlich grosse Dienste erweisen wie im vergangenen Jahr dem FCB. Medina wird ihm die Daumen drücken – für einmal vom Sofa aus.

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