Er ist der erste Unternehmer, der öffentlich fordert, die Schweiz müsse den Euro übernehmen: Urs E.Schwarzenbach, Eigentümer des Zürcher Luxushotels Dolder und Devisenhändler. Er sagt: «Wir müssten den Franken in Euro konvertieren und den Euro einführen.»

Sonst könne die Schweiz gar nichts gegen den starken Franken machen. Denn es sei eine Tatsache, dass es die kleine Schweiz, umgeben von 850 Millionen Europäern, einfach nicht im Alleingang schaffen könne. «Die Nationalbank kann mit ihren Währungsreserven nichts ausrichten.»

Genau gleich sieht das der Walliser Hotelier Peter Bodenmann, der frühere SP-Präsident: «Wäre die Schweiz ein deutsches Bundesland, ginge es uns viel besser.» Die Schweiz würde wie die wohlhabenden Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern dank dem tiefen Euro boomen, die Exporte liefen wie geschmiert.

«Hätte die Schweiz den Euro, würden wir zurzeit eine Superkonjunktur erleben», ist er überzeugt. «Nicht nur die Exportwirtschaft und der Tourismus würden profitieren. Sondern auch die Konsumenten, denn es wäre alles günstiger, von Lebensmitteln bis zum BMW.»

Politisch ist eine Euro-Übernahme nicht mehrheitsfähig. Das weiss auch Bodenmann. «Wir leben in einem Land voller Mythen», begründet er. «Ein Mythos ist, dass wir eine eigenständige Geldpolitik betreiben.» Keine Partei, auch die SP nicht, habe den Mut, die Probleme beim Namen zu nennen und die Europa-Frage neu zu stellen.

Dabei schade die Politik von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand dem Land: «Die Nationalbank müsste jetzt Franken drucken, bis der Kurs wieder runterkommt. Die US-Notenbank macht vor, wie das geht. Die Angst vor Inflation ist unbegründet.» Bodenmann geht sogar so weit, den Kopf von Hildebrand zu fordern: «Hildebrand sollte abtreten und einem fähigen Mann Platz machen, etwa Serge Gaillard oder Klaus Wellershoff.»

Gaillard war früher Chefökonom des Gewerkschaftsbunds und ist heute im Staatssekretariat für Wirtschaft tätig. Wellershoff ist ehemaliger UBS-Chefökonom und heute selbstständiger Wirtschaftsberater. Bodenmann: «Beide kennen die Probleme der Realwirtschaft und haben das Potenzial, eine neue Geldpolitik zu definieren.»

Für die Schweizer Exportwirtschaft wäre es ein Vorteil, den Franken gegenüber dem Euro zu fixieren, sagt auch Jan-Egbert Sturm, Leiter der ETH-Konjunkturforschungsstelle. «Dies erreicht man entweder durch einen festen Wechselkurs oder die Einführung des Euro.»

Die Schweizer Währung glaubwürdig an den Euro zu koppeln, sei durchaus möglich. «Die Niederlande und Österreich haben das über lange Zeit mit ihren Währungen gegenüber der D-Mark getan. Derzeit macht Dänemark das Gleiche mit dem Euro. Diese Beispiele zeigen, dass eine solche Strategie funktionieren kann.»

Ein fixierter Kurs habe aber auch Nachteile, mahnt Sturm. Namentlich wäre es nicht mehr möglich, über die Währungspolitik die Schweizer Wirtschaft zu beeinflussen. Zudem würden die Zinsen auf europäisches Niveau steigen, wodurch die Investitionsbereitschaft abnehmen würde.

Diesen Einwand lässt Peter Bodenmann nicht gelten. «Entscheidend sind die realen Zinsen. Also die Zinsen abzüglich der Teuerung. Und die realen Zinsen sind heute in Deutschland sogar tiefer als in der Schweiz.»

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