Swisslos nennt sie Glückswürfel, doch für den Spieler bedeuten sie Pechwürfel. Wer online spielt, würfelt kaum jemals eine Sechs, dafür sieht er am meisten die Eins. Die Würfel der Bank verhalten sich indessen umgekehrt: Je höher die Zahl, desto häufiger erscheint sie auf dem Spieltisch. Das Geld schwindet dahin.

Was sich anhört wie das Lamento eines desillusionierten Spielers, ist Realität. Das Statistische Institut der ETH Zürich hat das Verhalten der Glückswürfel untersucht. 200 Lose wurden gespielt, das heisst 2800-mal gewürfelt. Der Statistiker Martin Mächler kommt zum Schluss, dass die gewürfelten Augenzahlen hoch signifikant von den zu erwartenden abweichen: «Die Bank würfelt zu hoch, der Spieler viel zu tief – das sind sicherlich keine fairen Würfel.» Sein statistischer Test sei unzweifelhaft: «Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns irren, liegt im Millionstelbereich.»

Gezinkte Würfel also – und das nicht etwa bei einem luschen Anbieter, sondern bei Swisslos, der offiziellen Lotteriegesellschaft der Kantone in Basel. Was sagt man dort dazu? Mediensprecher Willy Mesmer verteidigt das Spiel: «Wir sind nicht der Meinung, dass es sich hier um einen Nachteil für den Spieler handelt», denn der Spielausgang sei bereits beim Loskauf vorherbestimmt, es handle sich um eine vorgezogene Lotterie, der Spieler würfle ja nicht wirklich. Und: «Die Treffer- und Auszahlungsquoten werden im Spielreglement transparent kommuniziert.»

Doch so klar ist das nicht. Zwar wird der Internet-User in einem unauffällig platzierten PDF-Dokument darüber informiert, dass nur 27 Prozent der Glückswürfel-Lose keine Nieten sind. Der konkrete Spielernachteil in Form von gezinkten Würfeln wird dagegen nicht deklariert. So dürften wohl die meisten Nutzer nicht von einem fingierten Spiel ausgehen, weil sie die Würfel erfahrungsgemäss berechenbar vermuten. Dies mit der selbstredenden Folge, dass sie Geld verlieren und Swisslos Gewinn abwirft – das darf und muss die Lotterie auch.

Aber auf diese Art? ETH-Statistiker Martin Mächler ist empört: «Verständlicherweise will Swisslos unter dem Strich gewinnen. Aber dieses Spiel ist hanebüchen. Es ist hochgradig unfair und irreführend.» Er schlägt ein System vor, das den Spielernachteil offenlegt und mit realen Wahrscheinlichkeiten operiert. Als Vorbild könnte das Roulette dienen, wo mit der Null die Bank gewinnt. Äquivalent würde der Spieler stets leer ausgehen, wenn er eine Eins würfelt. Das wäre zumindest transparent und fair. Swisslos hält an den Glückswürfeln fest.

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