Geht es nach Swiss-Chef Harry Hohmeister, soll der Staat in Zukunft die Ausbildung von Linienpiloten und anderen Berufen der Schweizer Aviatik finanziell massgeblich unterstützen. «Wir wurden gemeinsam mit dem Branchenverband Aerosuisse beim Bund vorstellig», sagt Swiss-Chef Harry Hohmeister und bestätigt damit entsprechende Recherchen. «Wir sind der Meinung, dass der Bund einen Teil der Piloten-Ausbildungskosten übernehmen sollte.»

Jede andere Branche bekomme durch die öffentlichen Bildungsstätten ausgebildete Leute, sagt der Airline-Chef. Die Swiss muss die Ausbildung hingegen zum grössten Teil aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Ausbildung zum Swiss-Linienpiloten kostet heute 130 000 Franken, wovon der Schüler zu Beginn 10 000 beisteuert.

Die Langstreckenpiloten, deren Anfangssalär rund 78 500 Franken beträgt, müssen zudem innerhalb von sechs Jahren 45 000 Franken zurückbezahlen. Diese werden in Form von Raten vom Monatslohn abgezogen. Kleinere Airlines überlassen in der Regel die Ausbildung komplett den Piloten-Aspiranten. So würden die Berufe bei einer Airline unattraktiver gemacht als andere Berufe, sagt Hohmeister.

Die Swiss habe noch nie Regierungsgeld für einen Flugsimulator oder einen Instruktor erhalten. Er sehe sich nun aber nicht als Bittsteller beim Staat: «Ich appelliere nur an Fairness und Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt für meine heutigen und zukünftigen Kollegen. Ist es fair für Leute, die Swiss-Piloten werden wollen, dass sie ihre Ausbildung in einem erheblichen Umfang aus der eigenen Tasche bezahlen müssen, während andere, die ein Jura- oder BWL-Studium machen, das Studium zum grossen Teil vom Staat finanziert erhalten?»

Die Anliegen der Aviatiker basieren auf gesetzlichen Grundlagen. So sieht das kürzlich revidierte Luftfahrtgesetz die Unterstützung und Förderung der Aus- und Weiterbildung der verschiedenen Sparten der Luftfahrt vor. Nur wie die praktische Ausführung dieses Passus aussehen soll, insbesondere in Bezug auf die Finanzierung, ist noch nicht klar.

Aerosuisse hat deshalb eine Arbeitsgruppe einberufen und einen Vorschlag ausgearbeitet. Demnach müsste der Bund jährlich 35,9 Millionen Franken ausgeben. Laut «Sonntag»-Informationen würden davon unter anderem rund 21 Millionen Franken an die kommerzielle Luftfahrt gehen – also an Airlines wie die Swiss, beziehungsweise an die Flugschulen –, 7 Millionen an die Flugsicherung (Skyguide) und 6 Millionen an aviatische Unterhaltsbetriebe.

Laut Aerosuisse-Präsident Paul Kurrus sind diese Zahlen noch mit grossen Unsicherheiten behaftet. Er bestätigt aber die Eckwerte, nämlich dass alle Berufe der Zivilluftfahrt unterstützt werden sollen. Rückendeckung erhält er von Hohmeister: «Wenn die Schweiz befindet, die Flugverkehrsinfrastruktur sei von nationalem Interesse – und davon gehe ich aus –, besteht grosser Handlungsbedarf.

Der Luftverkehr steht schweizweit für 180 000 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 33 Milliarden Franken. Dann sollte man sich schon fragen, ob es gerecht ist, diese 30 Millionen Franken oder sogar noch mehr auf Kosten der Airlines zu sparen.» Wenn die Jobs im Luftverkehr als Arbeitsplätze langfristig attraktiv sein sollen, müsse man sich überlegen, wie der volkswirtschaftliche Beitrag dafür aussehen könnte.

Eine staatliche Finanzierung wäre nichts Neues. Bis Mitte der 90er-Jahre betrieb die Swissair die Schweizerische Luftverkehrsschule (SLS) im Auftrag des Bundes. Dieser investierte damals bis zu 25 Millionen jährlich in die Pilotenausbildung. Ende 1996 kündigte der Bund den Vertrag mit der SLS und kurz darauf wurde die Schule aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Swissair einen Überschuss an Piloten. Heute sieht die Situation eher umgekehrt aus.

Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt man die Gespräche mit Aerosuisse. Man werde nun die Eingaben des Verbandes gemeinsam prüfen und Kontakt mit dem Bundesamt für Berufsbildung aufnehmen.

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