Letzte Woche vermeldete die Fluggesellschaft Swiss, dass das Management bis 2015 auf 5 Prozent des Lohnes verzichtet. «Ich rechne mit einem Sparbeitrag von einer halben Million Franken», gibt Swiss-Chef Harry Hohmeister erstmals bekannt. Aber: «Die Managergehälter sind nicht das Thema, die machen nur einen kleinen Anteil aus und sind nicht der entscheidende Faktor. Jeder muss etwas leisten.» Gespräche mit den Gewerkschaften sind schon länger im Gang, auch im Hinblick auf die geplante Expansion der Swiss in Genf.

Doch nun bringt Hohmeister ein neues Druckmittel ins Spiel. Er hoffe, dass man mit den Swiss- Piloten eine einvernehmliche Lösung finde, am liebsten möchte er mit dem eigenen Personal zusammenarbeiten. «Aber wir prüfen natürlich auch andere Optionen, wie zum Beispiel die Kooperation mit Piloten-Vermittlungsfirmen, von denen wir zuletzt häufiger kontaktiert wurden als noch vor ein paar Jahren.»

Damit stösst er sein Cockpit-Personal vor den Kopf: «Wir halten gar nichts von solchen Ideen», sagt Henning Hoffmann vom Pilotenverband Aeropers. «Sollte die Swiss auf auswärtige Leih-Piloten zurückgreifen, wäre das für die Firmenkultur und die Qualität sehr schädlich.» Oft würden solche Piloten kein Deutsch sprechen, was im Cockpit zu Kommunikationsproblemen führen könne und somit sicherheitsrelevant sei.

Der Pilotenmarkt ist zurzeit überschwemmt wegen der zahlreichen Groundings in ganz Europa. Die kleine Helvetic Airways hat zuletzt laut Finanzchef Tobias Pogorevc über 100 Bewerbungen für eine ausgeschriebene Stelle erhalten: «Von Deutschen, Spaniern, Osteuropäern, aber auch von Schweizer Piloten, die zum Beispiel vom Hello-Grounding betroffen oder im Ausland tätig waren.»

Phillip Ashley-Smith, Chef und Gründer der Schweizer Piloten-Vermittlungsfirma PAS Aviation, bestätigt, dass er der Swiss seine Dienste angeboten habe, als er von der geplanten Expansion der Airline in Genf gehört habe. Eine Kooperation wäre keine Premiere: «Bereits 2004 und vor etwa vier Jahren haben wir mit der Swiss zusammengearbeitet. Damals hatte die Swiss einen Unterbestand an Piloten auf ihrer Avro-Flotte.» PAS Aviation lieh der Swiss während rund 14 Monaten internationale Piloten aus, die die Airline später zum Teil fest anstellte.

«Unsere Datenbank zählt mehrere tausend Piloten, die für Einsätze bei Airlines bereit sind», sagt Ashley-Smith. Je nach Marktsituation sei der Einsatz von auswärtigen Teilzeit-Piloten teurer oder günstiger als das eigene Personal. Momentan seien die Preise aber eher tief.

Hohmeister verweist darauf, dass Airlines wie eine Cirrus oder OLT pleite gegangen sind, die Iberia ihre Flüge an ihre Lowcost-Tochter Vueling auslagert, die Air France an die Hop, die portugiesische Tap am Rande ihrer Existenzfähigkeit arbeitet und die Alitalia wohl zum wiederholten Mal in den Bankrott geschickt wird. «Im europäischen Pilotenmarkt passen sich die Löhne um 20 bis 30 Prozent nach unten an, das gilt auch für die Lufthansa-Gruppe.»

Bei Austrian und Brussels Airlines sind laut Hohmeister gerade Pilotenverträge mit bis zu 30 Prozent Einsparungen ausgehandelt worden. Er verlange zwar nicht 30 Prozent. «Aber das, was wir im laufenden Gesamtarbeitsvertrag auf einer Ergebnisbasis von 2010 versprochen haben, ist überholt.» Heute arbeite die Swiss mit tieferen Margen, höheren Ölpreisen, und der Flughafen Zürich wolle seine Gebühren erhöhen.

Trotz dieser Vorzeichen erwartet Hohmeister 2013 einen höheren Gewinn als im Vorjahr, weil die Auslastungen positiv seien. Aber: «Das grosse Stellenwachstum ist sicher vorbei. Wir werden keine grossen Sprünge mehr machen wie im letzten Jahr mit über 500 und dieses Jahr mit 250 neuen Stellen dank der neuen Destination Singapur.» Die Arbeitsplatzzahl werde bis Anfang 2016 höchstwahrscheinlich stagnieren.

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