«Unter der Leitung des international bekanten Bandleaders Pepe Lienhard hat die Swiss Army Big Band seit ihrer Gründung 1995 Weltklasse erreicht.» Heisst es auf der Homepage des Kompetenzzentrums Militärmusik. Weltklasse hin, Weltklasse her – die Weiterexistenz des musikalischen Aushängeschildes der Schweizer Armee ist akut gefährdet.

Oberst Beat Diener bestätigte Recherchen des «Sonntags», wonach der Vertrag mit dem «international bekannten Bandleader» Ende Jahr nicht mehr verlängert wird: «Die Dienstzeit von Pepe Lienhard geht am 31. Dezember zu Ende. Dann hat Lienhard das 65. Altersjahr erreicht.»

beim entscheid gegen Pepe Lienhard habe eine wesentliche Rolle gespielt, dass man die Situation beim Armeespiel mit fünf Spitzenorchestern «aus Alimentierungsgründen» neu überdenke. Damit meint Oberst Diener, dass es schwierig sei, genügend Musiksoldaten zu rekrutieren.

Diener machte jedenfalls die Beobachtung, dass die Big Band «oft mit vielen Zuzügern gearbeitet hat»: «Ich habe ein Konzert erlebt, bei dem die Hälfte der Big Band aus Gastmusikern bestand. Das kann nicht sein. Meiner Meinung nach müssen alle Musikformationen unser Milizsystem repräsentieren. Es muss das Ziel sein, dass auch die Big Band primär aus dienstpflichtigen Soldaten besteht und nicht aus bezahlten Musikern.»

Wie die einzelnen Formationen des Armeespiels in Zukunft aussehen werden, ist offen. Major Christoph Walter, musikalischer Leiter der Swiss Army Concert Band, wird voraussichtlich die musikalische Gesamtleitung auch für die Big Band übernehmen. Diener: «Projektbezogen besteht die Möglichkeit, jederzeit Gastdirigenten wie bei andern Orchestern des Armeespiels beizuziehen.»

Neben der Big Band und der Concert Band gibt es im Armeespiel noch das Symphonische Blasorchester, das Repräsentationsorchester und die Brass Band. Wobei die Big Band die erfolgreichste Formation ist. Kenner der Szene sagen, dass es deshalb innerhalb des Spiels zu Eifersüchteleien gekommen sei, was schliesslich zum Bruch mit Lienhard geführt habe.

Pepe Lienhard gibt sich in dieser Angelegenheit auffällig wortkarg. Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass ihm die Band sehr ans Herz gewachsen sei und er sie gerne weitergeführt hätte. Dem «Sonntag» sagte der Bandleader bloss, dass er den Entscheid der Armee nicht kommentieren wolle. Um noch anzufügen: «Ich werde meinen Dienst bis am 31. Dezember 2011 loyal verrichten.»

Letzte Auftritte der SABB mit Pepe Lienhard: 3. September, 21 Uhr, Stadthalle Dietikon ZH (Big Band Festival, mit Paul Kuhn als Gast); 25. September, KKL Luzern.

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