Hochstapler», «Zauberer», «Frömmler»: Am Freitag rechnete Christoph Blocher auf Teleblocher verbal gnadenlos ab mit Philipp Hildebrand. Er habe in Hildebrand stets Felix Krull vor Augen gehabt. «Ich dachte immer, er benötigt die Hälfte der Arbeitszeit, um einzustudieren, wie er einen guten Eindruck machen kann.»

In nur zwei Wochen hat Blocher den wirtschaftspolitisch mächtigsten Mann der Schweiz gestürzt. Dass das erst der Anfang war, machte der SVP-Übervater am Montag klar. Ob er zufrieden sei, wurde er gefragt. Lakonische Antwort: «Wir haben nicht so bescheidene Ziele.»

Blochers Analyse lässt tief blicken. Er sprach von «einer Staatskrise». Von «einer Krise im Bundesrat und einer Krise im Bankrat». Das sind klare Hinweise auf Blochers Masterplan: Zuerst nimmt er den Bankrat ins Visier, dann den Bundesrat. Sein Hauptziel: der Sturz von Eveline Widmer-Schlumpf. Selbst SVP-Insider sprechen von einem Kreuzzug.

Damit stellen sich Fragen zu Ueli Maurers Rolle. Aufpasser, Kontrolleur und Horchposten in einem soll er gemäss seiner Partei sein. Bundesbern aber fragt sich: Auf welcher Seite steht Maurer eigentlich? Noch vor den Bundesratswahlen vom 14. Dezember hatte er in der NZZ betont, er sehe sich als «ein Instrument», um die Politik der SVP durchzusetzen. In der «SonntagsZeitung» sagte er: «Meine Interessen sind die Interessen der Partei und umgekehrt.»

Aussagen, die mit Blick auf die aktuelle Situation irritieren. Immerhin ist Maurer für die Sicherheit der Schweiz verantwortlich. Er hat die wichtigsten Sicherheitsorgane unter sich: Armee und In- wie Auslandgeheimdienste. Wird er für die Regierung zum Risiko?

Das seien sehr heikle, aber berechtigte Fragen, sagt ein Insider. Hinter den Kulissen brodle es wegen Maurer. Selbst Bundesratskollegen wüssten nicht, ob sie ihm vertrauen und sich auf ihn verlassen könnten. Das erleichtere die Zusammenarbeit nicht gerade.

Es war vor allem Maurers Auftritt im Hotel Kreuz am Wahltag, der für Unstimmigkeiten sorgte. Einem Bundesratsmitglied soll Maurer an diesem Tag gesagt haben: «Ich werde die Kollegialität sabotieren.» Auch ein zweites Bundesratsmitglied wunderte sich über den Ausflug ins «Kreuz». Vorher und nachher sei Maurer gut gelaunt gewesen. Das Mitglied der Regierung sagt: «Maurer ist für mich nicht fassbar.»

Politiker aus den anderen Parteien äussern sich besorgt. «Es wird für ihn in Zukunft vielleicht notwendig werden, sich von gewissen Machenschaften seiner Partei zu distanzieren», sagt etwa SP-Nationalrätin Chantal Galladé, Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK). Seit den Bundesratswahlen sei Maurer still, hat FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger beobachtet, ebenfalls SiK-Mitglied.

«Man kann daraus schliessen, dass er kollegial hinter dem steht, was die Regierung sagt», glaubt sie – und betont: «Es wäre aber gut, wenn er dies als Sicherheitschef der Schweiz auch öffentlich sagen würde.» Wenig Hoffnung hat CVP-Präsident Christophe Darbellay. Maurer stehe mit einem Fuss in der Regierung und mit dem anderen in der Opposition, sagt er. «Die Doppel-Loyalität legt ihn lahm.»

Konfrontiert mit den Fragen zu seiner Rolle, legt Maurer via Interims-Kommunikationschef Jean-Blaise Defago ein deutliches Bekenntnis ab: «Maurer hat sich bis jetzt korrekt verhalten. Er hat den Rollenwechsel vom Parteipräsidenten zum Bundesrat mit Bravour geschafft. Er wird so weiterfahren wie bisher: konstruktiv und kollegial. Sein Amt als Bundesrat hat klar Priorität.»

Während sich Maurer von Blocher emanzipiert hat, erneuert sich der harte Zürcher SVP-Kern, der die Geschicke der Partei bestimmt, mit Blocher-Getreuen. Auf dem Sprung nach Bern sind Kantonsrat Gregor Rutz, früher SVP-Generalsekretär, und Unternehmer Thomas Matter. Matter soll auch Unternehmer Walter Frey als einer der Vizepräsidenten ablösen. Und Kantonsrat Hans-Ueli Vogt, Professor für Wirtschaftsrecht, gilt als einer der kommenden Stars in der SVP.

Was dieser harte Zürcher Kern will, sagt ein Insider unverblümt. «Es muss ausgemistet werden. Das ist wichtig», betont Kantonsrat Claudio Zanetti. «Ich habe diesen Staat gerne und finde es bedenklich, wenn man gewissen Bundesräten nicht einmal einen Occasionswagen abkaufen würde, weil man ihnen nicht traut.» Um wen es geht, formuliert Zanetti genauso unverblümt. Die SVP habe zwar keine Widmer-Schlumpf-Obsession, betont Zanetti. «Aber sie gehört weg. Weil ihre Wahl die Konkordanz verletzte.» Zanetti: «Dass wir Widmer-Schlumpf weghaben wollen, kann nicht überraschen.»

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