VON CHRISTOF MOSER, PATRIK MÜLLER, BEAT SCHMID UND FLORENCE VUICHARD

Der Chef des Stromkonzerns Alpiq warnt vor den Folgen eines Atom-Ausstiegs. Giovanni Leonardi sagt im Interview, heute zahle der Konsument für den Strom aus der Kernkraft 5 Milliarden Franken pro Jahr. «Steigen wir auf erneuerbare Energien um, verteuert sich der Energieanteil am Strompreis um den Faktor 3 bis 10. Das könnten die Haushalte und Unternehmen gar nicht verkraften», so Leonardi.

Die Stromrechnung der privaten Haushalte würde sich bei einem Ausstieg massiv verteuern. «Eine vierköpfige Familie müsste 6000 Franken pro Jahr bezahlen – über höhere Strompreise respektive verteuerte Produkte und Dienstleistungen.» Das entspricht einer Vervierfachung im Vergleich zu heute.

Leonardi hält am Bau eines weiteren Atomkraftwerks in der Schweiz fest. «Mit neuen KKW gehen wir sicher vors Volk», sagt er. Allerdings werde der politische Prozess für neue KKW «nun sicher länger dauern», doch er sei überzeugt: «Die Kernenergie wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.» Das Vertrauen der Bevölkerung werde zurückkehren. «Wir sind nun verständlicherweise von den Bildern aus Fukushima geprägt. Aber in fünf oder mehr Jahren muss das nicht mehr so sein.»

Auch das Ensi, das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, stellt sich schützend vor die fünf Schweizer AKW. «Stand heute gehen wir davon aus, dass allfällige Sicherheitsdefizite, die wir aufgrund bisheriger Erkenntnisse aus Japan haben, keine sofortige Abschaltung rechtfertigen», sagt Ensi-Chef Hans Wanner. Und das, obwohl zum Beispiel heute unklar ist, ob die Brennelementbecken der Schweizer AKW ein Erdbeben unbeschadet überstehen würden. «Ja, das wissen wir derzeit nicht», räumt Wanner ein. «Vor dem Unfall in Japan ging man davon aus, dass die Becken kein Sicherheitsproblem sind.»

Hans Wanner gibt zu: «Das Restrisiko ist grösser geworden.» In Bezug auf das AKW Mühleberg macht er zudem klar, dass die vier Zuganker zur Sicherung des Risses im Kernmantel langfristig nicht genügen: «Wir sind der Meinung, dass vier Zuganker über längere Zeit zu wenig sind.»

Derweil verschärft das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Vorschriften für Nahrungsmittel-Importe aus Japan. Neu werden alle Lebensmittel besonderen Kontrollen unterzogen. Politiker fordern jedoch einen kompletten Importstopp für Japan-Food.

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