Keine Schweizer Stadt lockt derart viele asiatische Reisegruppen an wie Luzern. Doch genau daran ist innerhalb der Tourismusbranche ein Streit entbrannt. Acht Fünfsternehotels in Luzern und am Vierwaldstättersee haben sich kürzlich zur Interessengemeinschaft (IG) «Lake Lucerne Luxury Hideaways» zusammengeschlossen. Sie kritisiert, Luzern Tourismus fördere einseitig den Billigtourismus, zugunsten der Uhrenbranche, zulasten der Hotels.

«Die Gründung ist ein Hilfeschrei», sagt Umberto Erculiani, Besitzer des Grand Hotels National und einer der Wortführer der IG. «Die Destination wurde durch die Förderung des Massentourismus kaputtgemacht.» Der Zimmerpreis sinke, Luxusgäste und Geschäftsreisende mieden Luzern, weil es wegen der lauten Reisegruppen und der vielen Reisebusse an Attraktivität verloren habe. «Es ist eine falsche Vermarktung von Luzern.»

Im Zentrum des Konflikts stehen die florierenden Uhrengeschäfte Bucherer, Gübelin und Embassy am Schwanenplatz. Dieser hat sich zum weltweit drittgrössten Umschlagplatz für Uhren gemausert, hinter der Place Vendôme in Paris und der Plaza 66 in Schanghai. Vier von zehn Uhren in der Schweiz werden in Luzern verkauft.

Dieser Boom sei nur dank der Willkür der Stadt- und Kantonsregierung möglich gewesen, argwöhnt Erculiani. Die Uhrenläden seien auch am Sonntag geöffnet, obwohl das Bundesgericht dem Einkaufszentrum Foxtown im Tessin genau dies verboten hat. Erculiani kritisiert auch die enge Verquickung von Bucherer mit Luzern Tourismus. «Es gibt eine problematische Machtkonzentration zugunsten der Uhrenbranche, speziell von Bucherer.» Ein Dorn im Auge ist ihm vor allem, dass die Luzern Tourismus AG vom ehemaligen Bucherer-Chef Adelbert Bütler präsidiert wird. Dieser fördere seine ehemalige Arbeitgeberin auf jede Art.

Von Schanghai aus sorgt beispielsweise ein chinesischer Marktspezialist dafür, dass die begehrten chinesischen Gruppen zuhauf nach Luzern reisen und dort für durchschnittlich 2000 Franken Uhren kaufen. Pikant daran ist, dass er auf der gemeinsamen Lohnliste von Luzern Tourismus, Bucherer, Gübelin, Embassy, Titlis-Rotair und den Pilatus-Bahnen steht. Erculiani findet harte Worte: «Bucherer missbraucht seine Macht.»

Den Hotels bringen die chinesischen Reisegruppen bei Zimmerpreisen um 40 Franken hingegen nur wenig Wertschöpfung. Patrick Hauser, Inhaber des Hotels Schweizerhof, teilt deshalb die Kritik. Er verlangt, Luzern Tourismus müsse die Interessen der Hotellerie besser abdecken und mehr Einzelreisende anlocken. «Luzern Tourismus könnte für unser Segment mehr machen.»

Tourismusdirektor Marcel Perren räumt ein, die Hotellerie profitiere «noch nicht im gewünschten Rahmen» vom Zustrom aus China. Von einer einseitigen Bevorzugung der Uhrenbranche könne jedoch keine Rede sein. «Wir vermarkten Luzern, nicht die spezifischen Interessen einzelner Aktionäre.» Die Hotellerie habe im Verwaltungsrat drei von sieben Sitzen und profitiere auf jeden Fall stark vom Zuwachs chinesischer Gäste. Bereits zeichne sich ein Wandel hin zu Kleingruppen und Einzelreisen ab. Davon werde künftig auch vermehrt die Luxushotellerie profitieren.

An mehreren Krisensitzungen haben sich Luzern Tourismus und die IG nun darauf geeinigt, dass die Fünfsternehotels stärker beworben werden. Unter dem Label «Lake Lucerne Luxury Hideaways» sind ein spezieller Prospekt und gemeinsame Auftritte an Messen geplant, beispielsweise in Dubai. «Damit gibt Luzern Gegensteuer zum Massentourismus», freut sich Umberto Erculiani. «Die Destination Luzern wird jetzt endlich auch für Luxus- und Individualreisende vermarktet.» Das Verhältnis zu Luzern Tourismus sei aber «immer noch gespannt».

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