Mehr als 150 Millionen Franken investierte der Basler Unternehmer und Milliardär Thomas Straumann vor sieben Jahren in das verstaubte Hotel Drei Könige am Rhein, das danach unter dem Namen Les Trois Rois eine neue Blütezeit erlebte. Bereits ein paar Jahre zuvor hatte er gegen 100 Millionen ins Gstaader Grand Hotel Bellevue gesteckt. Straumanns Häuser zählen zu den schönsten und besten Hotels der Schweiz. Er selbst wurde zu einem der grössten privaten Hotelinvestoren im Land.

Andere schwerreiche Hotelliebhaber sind Karl-Heinz Kipp (Tschuggen Hotel Group), Urs E. Schwarzenbach (The Dolder Grand, Zürich), Thomas Schmidheiny (Grand Resort, Bad Ragaz), die Brüder Niarchos (Kulm, St. Moritz, und Kronenhof, Pontresina), Daniel Borer (Giardino Hotel Group), Donatella Bertarelli Späth (Grand Hotel Park, Gstaad), Hortense Anda-Bührle (Castello del Sole, Ascona), Alfred Gantner (Guarda Val, Lenzerheide), Jürg Opprecht (Lenkerhof, Lenk) oder Martin Denz (u.a. Park Hotel, Weggis). Doch Straumann wird diesem erlauchten Kreis nicht mehr lange angehören. Seine Nobelherbergen, die unter der Dachmarke Spirit Hotels zusammengefasst sind, stehen zum Verkauf.

Das marode Bellevue hatte Straumann vor zwölf Jahren erworben, weil er damals in Gstaad wohnte und es ihn reizte, das Grand Hotel im alten Glanz wiederauferstehen zu lassen. «Eigentlich wollte ich danach gar kein zweites Hotel mehr», sagt er, doch als ihm das verstaubte Drei Könige am Rhein angeboten wurde – Basels einziges Grand Hotel und die älteste Luxusherberge Europas –, mochte er nicht Nein sagen: «Ich wollte etwas Schönes daraus machen und auch diesem historischen Haus den Geist und Glamour früherer Zeiten zurückgeben.»

Beides ist ihm restlos gelungen. Aber dann, zwölf Jahre nach seinem Einstieg in die Hotellerie, begann sich Straumann Gedanken darüber zu machen, wie das weitergehen sollte. Schliesslich hat er die Hotels, für die er viel Zeit aufwenden muss, bloss «zum Plausch» (Straumann) im Portfolio. Nun braucht er diese Zeit für den Dentalimplantatehersteller Straumann, an dem er knapp 30 Prozent hält, sowie für das Orthopädieunternehmen Medartis. «Beide Firmen beanspruchen mich zusehends mehr», sagt Straumann. «Und im Hinblick darauf, dass ich im kommenden Jahr 50 werde, möchte ich mich endlich wieder etwas mehr meinen Hobbys widmen können», sagt Straumann. Das sind namentlich edle Pferde, schöne Uhren und exklusive Autos.

Die Hotels abzustossen, bezeichnet Straumann folglich als «Entscheid der Vernunft». Mögliche Interessenten werden jetzt gezielt angegangen, und der Zeitpunkt ist gar nicht so ungünstig: Das Trois Rois liegt gemäss Straumann mit einer Auslastung von knapp 65 Prozent fast 20 Prozent über Vorjahr. Selbst das Bellevue verzeichnet mit einer sommerlichen Belegung von 55 Prozent ein Plus von 10 Prozent. Und das mitten im Branchengejammer über Wirtschaftsflaute und Frankenkurs.

Als potenzieller Käufer der beiden Traumhotels wird branchenintern vor allem ein Name genannt: die Qatari Diar Real Estate Investment Company, die im Besitz des Emirats Katar ist. Die Araber investieren derzeit auf dem Bürgenstock 485 Millionen Franken. Zusammen mit dem Berner Nobelhotel Schweizerhof und dem Savoy in Lausanne, das derzeit in ein Luxushotel der Superlative umgebaut wird, beläuft sich das Investitionsvolumen bislang auf rund 650 Millionen Franken.

Die katarische Herrscherfamilie hat für den Einstieg in die Schweizer Hotellerie aber schon vor einiger Zeit den Gesamtbetrag von einer Milliarde Franken freigegeben. 350 Millionen liegen derzeit also noch brach. Sie würden locker reichen für den Kauf der Straumann-Perlen. Bruno Schöpfer, Schweizer Statthalter der arabischen Investoren, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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