Es gab Kritik von links bis rechts, als CVP-Politiker Bruno Frick vor zehn Tagen in den Verwaltungsrat der Finanzmarktaufsicht (Finma) gewählt wurde. SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer sprach auf Twitter von «Günstlingswirtschaft für die CVP» und der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti fragte, was «Abzocker Frick» in der Finma zu suchen habe.

Jetzt zeigt sich: Im Kanton Schwyz sieht sich Frick mit einem Strafverfahren konfrontiert. Das bestätigt der Leiter der kantonalen Staatsanwaltschaft, Fabian Kühner, gegenüber der «Schweiz am Sonntag»: «Wir haben ein pendentes Verfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, und Bruno Frick ist der Beschuldigte.» Diese Tage wurden die letzten Betroffenen informiert. Das Verfahren gehe auf Geschäfte im Jahr 1999 zurück, sagt Kühner. Die Anzeige sei 2011 eingereicht worden. Zu den Details der Taten, die Frick vorgeworfen werden, äussert sich der Staatsanwalt nicht.

Frick bestreitet die Vorwürfe. Er sei erst nach der Anfrage der «Schweiz am Sonntag» vom Staatsanwalt über die Strafanzeige informiert worden und habe nichts von dem Verfahren gewusst. Frick bestätigt, dass die Anzeige auf ein Mandat bei der Firma Buechli Holding zurückgehe, welches er im März 1999 einvernehmlich beendet habe. Offenbar wirft ihm der damalige Hauptaktionär vor, wegen einer vom Verwaltungsrat veranlassten einmonatigen Kapitalblockade Geschäfte verhindert und damit Schaden verursacht zu haben. Er sei in den letzten drei Jahren auch zweimal von der Buechli Holding betrieben worden, sagt Frick. Allerdings ohne dass es zu einer Zahlung oder einer Fortsetzung der Betreibung gekommen sei.

Unklar ist, wer zum Zeitpunkt von Fricks Wahl in die Finma über die Probleme aus vergangenen Tagen informiert war. Frick sagt, er habe die Finma über die Betreibungen informiert. Da er aber nichts von der Anzeige gewusst habe, konnte er diese nicht offenlegen.

Die Finma verweist auf ihr Organisationsreglement, das die Bedingungen für die Wahl festlege. Zu den Anforderungen gehört ein Verhalten, das den Ruf der Finma nicht schädigt (siehe Kasten). Selber kommentiert die Finma die Wahl Fricks nicht und verweist auf das Finanzdepartement (EFD). Frick soll sein Amt im August antreten.

Das EFD wollte sich gestern nicht zur Frage äussern, wie ein Strafverfahren mit dem Finma-Mandat vereinbar wäre. «Das EFD wird in den nächsten Tagen mit der Finma und mit Bruno Frick das Gespräch suchen», sagt Sprecher Roland Meier. Vorerst gelte die Unschuldsvermutung. Die Verantwortung für Fricks Wahl trägt der Bundesrat, der ihn auf Vorschlag des Finanzdepartements wählte. Frick sei vom Dachverband der Selbstregulierungsorganisationen (SRO) für die Wahl vorgeschlagen worden, sagt Meier. «In all diesen Phasen gab es keine Hinweise auf ein laufendes Strafverfahren gegen Bruno Frick.»

Schon einmal stand Frick diese Woche in den Schlagzeilen. Der «Tages-Anzeiger» dokumentierte ein misslungenes Hedge-Fund-Projekt, an dem Frick beteiligt war. Fricks formeller Austritt aus der Sotrada Asset Management AG erfolgte erst kurz vor seiner Wahl in die Finma. Beschlossen worden sei diese jedoch schon Anfang Jahr, argumentiert Frick. Der «Tages-Anzeiger» kommentierte, die Finma verhalte sich mit der Wahl Fricks «erstaunlich unsensibel».

Frick, der von 1991 bis zu seiner Abwahl im Jahr 2011 den Kanton Schwyz im Ständerat vertrat, geniesst einen Ruf als Verwaltungsrat für alle Fälle. Auch heute noch sitzt er in zahlreichen Firmen und Verbänden, wie ein Blick in das Handelsregister zeigt. Frick ist Geschäftsführer einer DB Ashbourne Holdings, Präsident der Swiss Diagnostics Center AG, Verwaltungsrat der Shere Holding und der Hüppi AG und Präsident seiner Seedamm Business Center AG. Er ist Vorstandsmitglied der Economiesuisse und sitzt im Stiftungsrat der Stiftung für Kakao- und Schokoladewirtschaft. Die Liste ist nicht abschliessend, es gäbe noch mehr. Den grössten Ärger hatte Frick bisher mit dem Präsidium bei der Paraplegiker-Stiftung, bei der er 2009 zurücktreten musste, nachdem man ihm unter anderem vorgeworfen hatte, er habe seine Bezüge nicht sauber offengelegt.

Frick erklärt, dass er in Absprache mit der Finma nach seiner Wahl alle Mandate niedergelegt habe, welche zu einem Interessenkonflikt führen oder den Anschein einer Befangenheit erwecken können. Dies seien jene Firmen und Organisationen, welche der Finma direkt oder indirekt unterstellt sind. Die meisten seiner heutigen Mandate sind davon nicht betroffen.

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